plastickblog

Strasbourg

Noch am Montag sind meine bessere Hälfte und ich zusammen durch den Weihnachtsmarkt in Straßburg geschlendert. Gestern, am Dienstag, wurden dort bei einem Terroranschlag drei Menschen getötet und zwölf schwer verletzt, sechs davon schweben noch in Lebensgefahr.

Der Täter war den Behörden - mal wieder - bekannt.

Ein befremdliches Gefühl. Die Innenstadt war sowieso abgeriegelt, ohne Taschenkontrolle konnte man dort gar nicht erst rein - stets waren Polizei, Bundespolizei und auch Soldaten der Armee präsent. Kurz: Man hat getan, was man tun konnte, um die Innenstadt möglichst sicher zu machen. Und dennoch kam es zu diesem tragischen Ereignis.

Es gibt keine wirkliche Sicherheit, egal wieviel Geld man in den Sektor pumpt und welche Gesetze man erlässt. Wer unbedingt durchdrehen will und obendrein dazu bereit ist wirklich alles zu tun, der wird wahrscheinlich immer einen Weg finden.

Zuhause im Keller einsperren ist keine Option.

 

Meine Schwester hatte vor zwei Jahren so 'nen Moment, jetzt ich - und nun mach ich mir gerade, wenn auch zu Unrecht, Gedanken über meinen Bruder...

Neuland 2.0

Fünf Jahre ist es her, dass Angela Merkel das Internet als Neuland bezeichnete.

Nun nennt sie es "noch nicht durchschrittenes Terrain". Der KI-Vorherrschaft steht nichts mehr im Weg!

No Brexit Voting

Gestern wurde eine erneute Abstimmung über den Brexit im britischen Parlament vertagt. Begründung: Bei einer Abstimmung wäre wohl die deutliche Mehrheit gegen den EU-Ausstieg.

...ja, äh... ne. Versteh ich nicht. Also die wollen schon irgendwie über den Brexit abstimmen - aber nur, wenn das Ergebnis vorhersehbar den Erwartungen entspricht? Klingt so als hätte sich Theresa May da ordentlich selbst in den Fuß geschossen.

 

Update:

Yep, das war ein Eigentor von Frau May. Aber das Brexit-Geplänkel geht sicher noch ne Weile weiter, die Realitätsverschiebungen sind da auch nicht weniger absurd als bei anderen Themen:

May: "Ein Deal mit der EU ist erreichbar."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: "Es gibt überhaupt keinen Raum für Neuverhandlungen."

Ja dann...

They call it a „honeypot“

Die Meinungen zur letzten Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" gehen weit auseinander - haben die doch tatsächlich einen Online-Pranger errichtet, um bei den Vorfällen in Chemnitz teilnehmende rechtsradikale zu enttarnen. Es wurde sogar Geld versprochen, wenn man Personen auf Fotos identifiziert und meldet.

Nun - Online-Pranger gehn halt mal garnicht. Und Denunzianten sind keine Bereicherung für die Gesellschaft. Entsprechende Reaktionen hat diese Aktion bei so ziemlich jedem ausgelöst, der davon etwas mitbekam.

...was aber, wenn der Gedanke dahinter ein ganz anderer war? Denn auf der Webseite zur Aktion (mittlerweile nicht mehr erreichbar, hier ein Spiegel-Artikel zur Sache) war nämlich zu lesen:

Danke, liebe Nazis

[...]

Wäre es möglich, das bereits gewonnene Wissen als Waffe einzusetzen, um mit Eurer Hilfe an den Rest zu kommen? Wir arbeiteten mit Experten der Bilderkennung, künstlichen Intelligenz und Algorithmik. Und wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion. Über die Suche habt Ihr uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten.

Tja, da fällt die Einschätzung dann nochmal etwas schwerer, oder? Coole Aktion? Oder deutlich übers Ziel hinausgeschossen? Ich denke, die Aktionen der ZPS sind dafür bekannt, dass sie gerne die geläufigen Grenzen durchbrechen. Auch juristisch ist die Sache sicher noch nicht restlos geklärt.

 

Was mir in diesem Kontext besonders auffällt:

Recherchen der TAZ haben ein Untergrund-Netzwerk offenbart, mit dem sich angeblich Soldaten, Reservisten, Beamte und Verfassungsschutz-Mitarbeiter mit rechtsradikalem Gedankengut auf den "Tag X" einstimmen, an welchem sie politische Gegner und Feinde inhaftieren und liquidieren wollen. Es sollen dort auch Listen mit ungewünschten Personen geführt werden.

Diese Erkenntnisse blieben in der Medienwelt allerdings weitestgehend ungeachtet.

Quality Assurance

Bin über nen Tweet von Brenan Keller gestolpert, den ich einfach übersetzen muß:

 

"Ein QA-Ingenieur geht in eine Bar. Er bestellt 1 Bier. Er bestellt 0 Bier. Er bestellt 999999999999 Bier. Er bestellt eine Eidechse. Er bestellt -1 Bier. Er bestellt sfdjhksfdazui.

Der erste richtige Kunde kommt in die Bar und fragt nach der Toilette. Die Bar geht in Flammen auf und tötet jeden darin."

 

...das ist sehr, sehr realitätsnah. Das erklärt so wunderbar "Aber wir haben doch alles geprüft" vs. "Aber jetzt ist es halt trotzdem kaputt".