plastickblog

Industrie 4.0

Erst kürzlich hab ich einem Vortrag zu diesem Thema gelauscht - und soeben hab ich das hier gelesen:

Industrie 4.0: Große Koalition will Digitalisierung "klassischer Industrien" vorantreiben

Ja. Was soll ich sagen.

Dass ein Ausbau der Automatisierung selbstverständlich nur mit einem höheren Grad der Vernetzung möglich ist sollte klar sein. Da brauchts IT-Lösungen um die Produktion dahingehend zu modernisieren. Nicht nur, aber da seh ich den größten Aufwand. Und bis zu einem gewissen Punkt, den ich für mich selbst allerdings noch nicht ausführlicher definiert habe, stimme ich solchen Vorhaben auch wirklich gerne zu. Automatisierung, Datenmanagement, Informationsverarbeitung, gekoppelt mit Produktionsanlagen... das sind Dinge denen ich mich schon längere Zeit widme.

Is ja auch irgendwo mein Job.

Andererseits...

Ist eigentlich auch irgendjemand mal auf die Idee gekommen dass eine deutlich weitreichendere Vernetzung auch Nachteile mit sich bringen könnte? Vielleicht auch im Zusammenhang mit den Nachrichtenmeldungen in den letzten Monaten?

Größere, allumfassende Netze bringen auch enorme Risiken mit sich. Man weiß das auch. Es bestätigt sich regelmäßig.

Muss da tatsächlich erst ne komplett automatisierte Produktionskette ausfallen - oder noch schlimmer: Fehler durch Manipulation produzieren - bevor man feststellt dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch sinnvoll ist?

Und natürlich sind mit solchen Wunschvorstellungen auch immense Kosten verbunden. Vielleicht denke ich da einen Tick zu pessimistisch, aber ich wage zu bezweifeln dass "Industrie 4.0" tatsächlich eine zukunftstaugliche Lösung für den Produktionsstandort Deutschland ist. Wir könnten uns dadurch mit Know-How absetzen, wären anderen technisch einen Schritt voraus... aber das sind leider Dinge die bei der Planung von Produktionsprojekten keine Rolle spielen, da bestimmt der Preis den Kurs. Und in unserer kaputten Welt sind Menschen als Arbeitssklaven in sehr vielen Ländern immernoch kostengünstiger als fortschrittliche Technologien.

 

Andererseits ist das ein Projekt das von der Politik angekurbelt wird. Vielleicht kann man sich ja auch entspannt zurücklehnen und dem ganzen beim scheitern zusehen...

Rausverkauf der Freiheitsrechte

...im Lawblog gibts nen schönen Artikel zu nem Detail der Koalitionsverhandlungen. Es geht um - totgeglaubte leben länger - die Vorratsdatenspeicherung:

Rausverkauf der Freiheitsrechte - lawblog.de

Zitat:

Für das Quäntchen, um das die Strafverfolgung vielleicht effizienter werden könnte, opfern wir zwar nicht mehr die Juwelen unter den Freiheitsrechten. Aber jetzt tragen sie uns sogar noch die Truhe weg, in der diese aufbewahrt wurden.

Und ihr hab die also gewählt. War ne tolle Idee, nicht? Vielen Dank dafür. Also wiedermal zittern und beten und bangen - und hoffen auf Karlsruhe. Aber ganz egal was dabei rauskommt, ihr wählt die bei nächster Gelegenheit ja wieder. Ich kapiers nicht. Muss ne masochistische Neigung sein, die mir fehlt...

Carrion Mother - Koronis

Kontrastprogramm. Joe hat zwar immer wieder mal von Auftritten mit der Band erzählt - aber ich hab erst kürzlich überhaupt mal in die Musik von "Carrion Mother" gehört. Und... bin ziemlich begeistert! "Metal" - ganz allgemein -  ist ja nicht mein Revier und ich krieg da im wesentlichen nur durch Freunde was mit. Für "Desert-" und "Stoner Rock" und verwandte Spielweisen kann ich mich aber schon sehr begeistern. Sowas läuft bei mir als "Musik zur Untermalung des Lebens". Also: nebenher, halt.

Allerdings zählen "Carrion Mother" nicht zu den genannten Genres. Etiketten sind ja sowieso immer schlecht, aber weil man damit noch am einfachsten ne Zugehörigkeit ausdrücken kann: ...die machen "Doom-Metal", oder jedenfalls: es geht in diese Richtung. Sehr atmosphärische, schwere, langsame Riffs die gerne auch mal ne Viertelstunde vor sich hin dümpeln. Fette Gitarren mit Hang zum disharmonischen, einfach schön.

 

carrion_mother

 

Das kenn ich so von einigen wenigen anderen Bands aus der Ecke, deren Namen ich mir aber allesamt nicht merken kann. "Ahab" ist mir in Erinnerung geblieben, die haben da diesen einen Track...

Mit "Bohren und der Club of Gore", einer durchaus geilen Band aus ner ähnlich verwegenen musikalischen Ecke, würd ichs nicht vergleichen, dafür isses zu laut und zu sehr Metal.

Aber "Carrion Mother" machen nicht nur schöne, schwere, ruhige Musik... sie schaffen auch was, was nur wenige Bands schaffen: Deren Gesang ist geil. Sowas aus meinem Mund ist als Auszeichnung zu verstehen - die meisten Sänger(innen) bei ganz egal was für ner Musikrichtung gehn mir einfach nur auf den Sack. Sogar der grottenschlechte, zeitgemäße Deutschrap ließe sich ertragen - ohne den Sprechgesang. Die DJs, Komponisten, Bands und Produzenten leisten sehr häufig tolle Arbeit - aber dann macht irgendein Depp vorm Mikrofon seinen Mund auf und ich könnt kotzen. Lang lebe die Instrumentalmusik.

 

Der Gesang von "Carrion Mother", also das wenige bisschen das vorhanden ist, in Form von Gesang, Ruflauten, Geschrei, whatsoever... das passt einfach wirklich prima. Nicht zuviel, nicht zuwenig und phonetisch große Klasse.

"Koronis" nennt sich das Debutalbum der Band. Das gute Stück wurde bis aufs Mastering in Eigenregie produziert. Da die Mitglieder der Band in sachen Grafikdesign was können ist das Digi-Album, was das Artwork betrifft, schon ein hingucker geworden. Wer will kann sich das Ding für empfohlene 7€ kaufen - aber weil die Jungs was von modernem Marketing verstehen kann man sich das Album - bestehend aus drei Tracks mit ner Laufzeit von knapp 50 Minuten - auch kostenlos runterladen:

 

carrionmother.bandcamp.com

 

...und wer will kann ja mal reinhören:

Musik Freitag, 22. November 2013

Caravan Palace: Dramophone

Caravan Palace - Dramophone

 

...nicht dass noch jemand denkt ich wär wieder vom Electroswing geheilt.

Musik Freitag, 22. November 2013

Dusty Revenge

Hab mal wieder 'n Game gezockt.

Dusty Revenge

 

"Dusty Revenge" ist ein 2D-Sidescroller-Beat-em-Up. In wunderhübscher Cartoon-Grafik und toller Atmosphäre ballert und prügelt man sich als rachsüchtiger Hase durch verschiedene Western-Schauplätze. Der Grund? Braucht es denn einen? Okay - die geliebte Häsin wurde ermordet. Von... Bösewichten. Vergessen wir die Story einfach, ja?

Die Trailer und Gameplay-Videos sahen einladend aus, voll Vorfreude hab ich das Spiel gestartet. Erster Eindruck: ...lädt das noch? Gehört sich das so? Tut sich da was? Wo bleibt denn das Spielemenü... ah, da. Ganz schön lange Ladezeiten, für ein derartiges Spiel. Aber okay.

Nach der schön erzählten Einführung gehts dann doch auch schnell zur Sache. Die Steuerung ist überschaubar und gelungen - eigentlich ideal für alle die sich mit dem Einprägen von komplexen Tastenfolgen schwertun. Also - ideal für mich.  Und die ersten Gegner sind auch schnell ausser Gefecht gesetzt. Ein paar Schüsse, ein paar leichte und schwere Hiebe, fertig sind die ersten Combos. Es geht gut voran.

Dusty Revenge

Ziemlich genau bist zum ersten Bosskampf. Da wird dann relativ schnell klar dass irgendwas nicht in Ordnung ist: Im Gegensatz zu den bisherigen Gegnern des ersten Levels ist der erste Endboss nahezu unzerstörbar. Nach etlichen zeitraubenden Versuchen hab ich aber irgendwann den Dreh raus und bringe dieses Vieh zur Strecke.

Das zweite Level spielt sich dann wieder im angenehm fordernden, aber nicht überfordernden Schwierigkeitsgrad. Ein bisschen Jump'n'Run und viel gekloppe. Schon geil. Auch die laufend neuen Gegnertypen sorgen für ne gelungene Abwechslung - eintönig wird das Spiel jedenfalls nicht. Bis dann irgendwann der zweite Endkampf ansteht. Keine Chance. Und ich bin auch wirklich nicht der typische Gamer, der alles daran legt solche Situationen dann doch irgendwie zu meistern. Nach ner Stunde (!) des absolut ergebnislosen rumprobierens bin ich nurnoch gefrustet und schwanke zwischen Controller gegen die Wand werfen - oder cheaten.

Ich gestehe - ich wollte wissen wie es weitergeht und hab gemogelt. Scheiss Bossfight. Level drei ist dann wieder problemlos zu meistern. Auch die wieder neuen Gegner. Hier und da stirbt man mal und macht ab einem der gut gelegenen Checkpoints weiter - wie sich das eben gehört.

 

So geht das dann noch nen Abschnitt weiter - ich kämpfe mich durch das Level und cheate mich durch den Bossfight. Wenig später sind die Level dann auch ein wenig anspruchsvoller: mehr Fallen, Abgründe, bewegliche Plattformen und so weiter. Spätestens hier bestätigt sich dann mein Verdacht: ...irgendwas ist mit diesem Spiel nicht in Ordnung.

 

Die normalen Gegner verhalten sich... fragwürdig. Vom richtigen Platz aus aufs Korn genommen verweilen sie unbewegt und lassen selbst 200-Hit-Combos regungslos über sich ergehen. An anderer Stelle versuchen sie zwar mich anzugreifen und laufen auf mich zu - dummerweise allerdings genau in ein Levelhindernis, wie z. B. dornenbewehrte Pendel. Ich kann stehenbleiben und in aller Ruhe die Punkte einstreichen. Als das Level mich in luftige Höhen bringt stürzen sich Gegner beim Versuch mich zu erreichen in Scharen von Plattformen und Klippen. Langsam wirds albern.

Der anschließende Bosskampf - das pure Gegenteil. Als wären die Endfights bisher noch nicht schwer genug gewesen muss der nächste Boss über insgesamt drei Energiebalken von beachtlicher Länge verfügen. Ich schaffs trotz auswendig gelernter Special-Move-Attacken nichtmal eine davon merklich zu verkleinern. Hat dieses Scheissvieh denn überhaupt sowas  wie ne verwundbare Stelle? Trotz mogeln dauert es eine kleine Ewigkeit bis der gigantische Gorilla endgültig umkippt.

 

Danach: ...das übliche. Suizidgefährdete, eigentlich wirklich tolle Gegner lassen keine Gelegenheit ungenutzt um sich selbst ins jenseits zu befördern. Es gibt schon noch genug für mich zu tun, aber ich denk das kann so nicht Sinn und Zweck des Spiels sein. Und der folgende Boss gibt mir dann den Rest. Nicht nur dass er über die bereits bekannten, mehrfachen Energieleisten verfügt - er bewegt sich auch mit Lichtgeschwindigkeit und kann sich teleportieren. Is klar.

An der Stelle schalte ich ab. Endgültig.

 

"Dusty Revenge" ist nett gedacht - aber für meine Begriffe schlecht umgesetzt.

 

Die Grafik ist große klasse, der Sound trägt wesentlich zur tollen Atmosphäre bei und das komplette Spielkonzept funktioniert richtig gut. Die Steuerung ist perfekt, die zahlreichen Combos und Moves lassen sich hervorragend ausführen. Aber das reicht leider nicht um die erwähnten negativen Dinge aufzuwiegen.

"Dusty Revenge" ist wohl eher etwas für den ambitionierten, ehrgeizigen Gamer der auch mal bereit ist sich länger an einem der Endbosse abzumühen - und nichts für so Einmal-im-Jahr-Gamer wie mich. Schade drum.

http://dustyrevenge.com

Spiele Samstag, 9. November 2013