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Shallow & Profound: Terrorist attacks

(Übersetzt: oberflächliches & tiefgründiges. Erklärt dann wohl auch die Kategorie hier im Blog.)

Ich verstehe nicht besonders viel von der Welt. Manche Dinge überhaupt nicht - sowas wie  wie Terrorismus oder Gewalt ist mir fremd und unerklärlich. Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel ist mir wieder mal etwas aufgefallen, was ich nicht begreife: Wer entscheidet eigentlich, welche Anschläge "schlimm" sind - und welche nicht?

Bitte nicht falsch verstehen: Dass da große Scheisse passiert ist klar. Natürlich war bzw. ist der Vorfall in Brüssel eine Katastrophe, da gibt es nichts schönzureden.

Worauf ich hinaus will: Warum "zelebrieren" wir einen Anschlag, wie eben den in Brüssel, in genau diesem Ausmaß - und warum werden andere, nicht minder schlimme Vorfälle allenfalls als Fußnote oder Randbemerkung erwähnt? Wer sortiert diese Themen? Und warum?

 

Brüssel, Belgien.
22.03.2016 | 35 Tote | mehr als 300 Verletzte

Der Anschlag, der vermutlich mit den Anschlägen in Paris bzw. den danach erfolgten Verhaftungen in Verbindung steht, erreicht auch ein ähnliches Medien-Echo. Ganz Europa trauert, Fahnen hängen auf Halbmast, wichtige Gebäude in verschiedenen Ländern werden in den belgischen Nationalfarben beleuchtet. Beinahe stündlich neue Meldungen, neue Erkenntnisse. Die Regierenden halten Reden, von Obama bis Merkel hat jeder etwas dazu zu sagen. Dieser Anschlag wird auch die künftige Sicherheitspolitik in Europa beeinflussen.

 

Gewiss, ein schrecklicher Vorfall - aber gab es da nicht noch mehr?

 


Baidoa, Somalia.
28.02.2016 | etwa 17 Tote | 25 Verletzte

Unweit von Restaurants zündet die Terrorgruppe Al Shabaab eine Autobombe. Unter den Opfern sind Politiker und Beamte, der Anschlag ist vermutlich eine Reaktion auf das zuvor angekündigte, schärfere Vorgehen gegen die Gruppierung.

 

Babil, Irak.
06.03.2016 | 50 bis 60 Tote, evtl. mehr | 70 Verletzte

Attentäter des IS sprengen an einem Kontrollpunkt einen Tanklastwagen in die Luft. Unter den Opfern sind viele Sicherheitskräfte, Fahrzeuge und Häuser in der näheren Umgebung werden zerstört. Es ist der bislang schwerste Anschlag in dieser Provinz.

 

Ankara, Türkei.
13.03.2016 | 37 Tote | 120 Verletzte

Eine Splittergruppe der PKK verübt dieses Selbstmordattentat als Vergeltung für das Vorgehen der Türkischen Sicherheitskräfte im kurdisch besiedelten Südosten des Landes.

 

Grand-Bassam, Elfenbeinküste.
13.03.2016 | 22 Tote | (keine Angaben zu Verletzten)

Eine Splittergruppe der Al Quaida tötet bei diesem Anschlag auch Touristen, darunter eine Deutsche.

 

Sinai, Ägypten.
19.03.2016 | 13 Tote | (keine Angaben zu Verletzten)

Der IS bekennt sich zu diesem Anschlag, bei dem mit Granatwerfern auf einen Kontrollpunkt geschossen wurde.

 

Istanbul, Türkei.
19.03.2016 | 4 Tote | 36 Verletzte

Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in einer Einkaufspassage in die Luft. Unter den Verletzten sind auch viele Touristen. Zu den Hintergründen ist nichts genaueres bekannt.

 

Bagdad, Irak.
25.03.2016 | 41 Tote | 105 Verletzte

Nach einem Fußballspiel sprengt sich ein Selbstmordattentäter des IS in die Luft.

 

Lahore, Pakistan.
27.03.2016 | 72 Tote | 350 Verletzte

Ein Selbstmordattentäter der Taliban sprengt sich in einem Park in die Luft. Ziel des Anschlags: Christen.


 

....und das waren gerade mal die letzten vier Wochen (und da fehlt sicher auch noch was). Wer hat irgendetwas von diesen Anschlägen erfahren? Gegenfrage: Wer hat nichts von Brüssel mitbekommen?

Wo waren die Ansprachen von Kanzlern und Präsidenten? Wo die Trauerbeflaggung, wo die Schweigeminute? Ich weiß nicht, warum es diese Unterschiede gibt - ich sehe nur dass es sie gibt. Und ich finde das sehr befremdlich und seltsam.

Scott Sterling: The man - the myth - the LEGEND!

 

Apple vs. FBI

Es hat hoffentlich niemand gedacht bei der Apple vs. FBI Geschichte ginge es darum die Sicherheit der iPhones zu erhalten, oder? Es ging nur darum Apple offiziell eins reinzuwürgen - und nicht nur in geschlossenen Verhandlungsräumen. Zugegeben, das hat weniger gut funktioniert, bis jetzt.

Dem FBI dürfte das inzwischen egal sein, die letzten Verhandlungstermine wurden bereits ignoriert und mittlerweile haben sie auch Zugang zum iPhone ohne dass Apple (offiziell) geholfen hat.

Und wer nach dem lesen des Artikels denkt: "Okay, aber aufgemacht haben sie ja nur ein iPhone, das von diesem Schützen da..." - der hat was grundliegendes immer noch nicht ganz verstanden.

 

Der Artikel stellt auch einige Fragen - das lädt natürlich zu Spekulationen ein :-)

 

- Who showed the FBI how to break into iPhones?

Man kann vermuten dass grundsätzlich Daten zu iPhones von Apple vorliegen, aber im Zweifel: Niemand. Da arbeiten nicht nur Bürokraten und Papiertiger, das FBI verfügt über langjährige Erfahrung im "sich Informationen beschaffen". Wenn die ernsthaft keine Schwachstellen gefunden hätten, wär ich überrascht gewesen. Ne Zusammenarbeit mit befreundeten Behörden kann vielleicht auch geholfen haben.

 

- How did the government bypass the security features that Apple has invested millions of dollars to build into its flagship product?

So wie man das eben auch sonst macht, vermute ich mal. Wie groß und gewollt die Angriffsfläche ist kann man separat diskutieren, aber es gibt mehr als genug Sicherheitstechniken, die allesamt gebrochen wurden - und noch werden. Um genau zu sein sind von allen möglichen Verfahren nicht viele übrig geblieben, die sich als halbwegs zuverlässig herausgestellt haben. Klar ist es möglich dass Apple auf Sicherheitstechnik gesetzt hat die von vornherein korrumpiert war (ich denk da spontan an unzuverlässige Zufalls-Generatoren, nur als Beispiel...) - aber ich glaube nicht dass so etwas unbedingt erforderlich ist. Es ist, wenn überhaupt, nicht oft vorgekommen dass jemand etwas tatsächlich völlig sicheres entwickelt hätte und ich würde solche Erfindungen auch nicht bei Apple vermuten. Die sind zwar dank der aktuellen Situation sowas wie "die Guten", aber grundsätzlich ist die Datensicherheit der Nutzer nicht deren Kerngeschäft.

 

- Are newer iPhones vulnerable to the same hacking technique?

Wen interessiert das schon? Egal wie neu das Smartphone ist, wenn jemand mit den Miteln des FBI da tatsächlich rein will, dann kommt er auch rein. Wenn diese aktuelle Lücke bei brandneuen Geräten nicht funktioniert, dann wird sich eine neue Lücke finden sobald der Bedarf dafür nur groß genug ist. Wenns sein muss mit ähnlichem PR-Getöse.

 

- Will the FBI share its information with scores of state and local police agencies that said they also need to break into the iPhones of criminal suspects?

Wenn das, wie ich vermute, keine Million Dollar pro iPhone kostet, dann wird das über kurz oder lang passieren. Vermutlich aber anders herum: Nicht das FBI versorgt die übrigen mit der Lücke, sondern die Bedürftigen schicken ihre iPhones mal kurz zum FBI...

 

- Will the FBI reveal to Apple how it broke its security?

Bwaaahahaha *prust*... Okay, der war gut :-)

 

- Did the FBI find anything useful on the iPhone?

Aber natürlich! Im offiziellen Bericht werden allerhand nützliche Dinge stehen, die gefunden wurden. Wer würde sich schon die Blöße geben sich jetzt, nach dieser PR-Lawine auf beiden Seiten, hinzustellen und zuzugeben "Mh, also eigentlich wars für'n Arsch"..? Da waren wichtige Daten drauf, klar!

 

 

Update, 31.03.2016:

Das ging ja flott...

 

Update, 03.04.2016:

iPhones knacken: FBI bietet US-Behörden flächendeckend Hilfe an

War on drugs

Einer der Kriege, den wir seit längerem ohne nennenswerten Fortschritt führen, ist der gegen Drogen. Die Amis haben angefangen, der Rest der Welt macht halt mit. Weil Drogen natürlich böse sind - oder wie war das noch?

Ganz offiziell wurde dieser Krieg 1971 unter Nixon eingeläutet. Zu dessen engeren Vertrauten gehörte John Ehrlichman, Chefberater für innere Angelegenheiten. Und der hat 1994 interessante Dinge geäußert, die erst kürzlich bekannt geworden sind.

Ehrlichman hat in einem Interview Stellung zu diesem Krieg bezogen: Nixon hatte zwei große Feinde. Zum einen waren da die pazifistischen Linken, zum anderen die Schwarzen. Nixons Problem: Er konnte weder Pazifismus noch schwarz-sein für illegal erklären. Also hat man die beiden unerwünschten Lager ganz einfach diffamiert - zuerst wurde dafür gesorgt dass die breite Öffentlichkeit Hippies mit Cannabis und Schwarze mit Heroin in Verbindung bringt. Dann hat man die Drogen kriminalisiert, der Rest ist Geschichte:

We could arrest their leaders, raid their homes, break up their meetings, and vilify them night after night on the evening news.

...und das passiert heute noch genau so. Ehrlichman weiter:

Did we know we were lying about the drugs? Of course we did.

Das ist ein wundervolles Beispiel dafür wie Politik funktioniert, bzw. warum sie es nicht tut. Und viel geändert hat sich ja nicht.

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