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DSGVO

Die DSGVO - die Datenschutz-Grundverordnung - ist die Neufassung der europäischen Datenschutz-Gesetze, insofern eigentlich ein zu begrüßendes Thema. Da gibts reichlich Bedarf nachzubessern.

Leider ist die Regelung so unspezifisch und unverständlich, dass niemand so wirklich weiß wie man rechtssicher damit umgeht. Die DSGVO betrifft jeden, der Daten erhebt - und somit auch jeden, der irgendwas im Internet anbietet und nicht sämtliche Server-Logs deaktiviert hat. Ich hab nicht die geringste Ahnung, ob ich meine Webauftritte aktuell gemäß der neuen Rechtslage anbiete oder bereits gegen geltendes Recht verstoße. Die "Experten" sind sich uneins, die Juristen verdienen sich gerade ein nettes Zubrot mit Veranstaltungen zum Thema und es gibt verschiedenste Online-Generatoren, die Textbausteine ausspucken, von denen niemand weiß ob und wie sie für den jeweiligen Bedarf zu gebrauchen wären. Ein Grund, der Betreiber bereits dazu bewegt haben soll, Webauftritte gänzlich einzustellen.

Die große Hofnung vieler in dieser Situation ist, dass der Gesetzgeber großflächigen Klagewellen schon irgendwie entgegenwirken wird.

Unterm Strich wurde auch dieses gewichtige Thema so behandelt, wie wir mittlerweile eben mit Brennpunkten umgehen: Unverständlich, unzugänglich, verklausuliert und mit reichlich Spekulationsraum.

 

Die tschechische Politikerin Věra Jourová hat seit 2014 an der DSGVO mitgewirkt und nun in einem Interview der ZEIT interessantes geäußert. Dinge wie:

Ich versichere Ihnen aber, dass selbst ich die Regeln der DSGVO umsetzen kann. 

Direkt davor sagte sie allerdings auch:

Ich kenne mich auch nicht mit Technik aus, meine Kinder lachen mich deswegen sogar aus.

Aha. Nun, beim Interview kam es auch zu dieser spannenden Situation:

ZEIT ONLINE: Die großen Konzerne können einfach einen Anwalt anrufen, um die DSGVO umzusetzen. Aber kleinere Betreiber, gerade Blogger und Vereine, haben oft nicht das Geld und wissen nicht, wie sie alle Kriterien umsetzen sollen.

Jourová: Die sollen mir eine E-Mail schicken.

ZEIT ONLINE: Wir werden das genauso veröffentlichen.

...und im Artikel ist an dieser Stelle direkt die Mailadresse zur Kontaktaufnahme verlinkt - ein schöner Zug der ZEIT und ein großartiges Angebot von Frau Jurová, das ich gerne genutzt habe.

Ich bin sehr auf die Antwort gespannt.

 

Update, 24.05.:

Es kam keine Antwort. Natürlich nicht.

Aktuell sieht die geläufige Praxis so aus, dass viele Dienste durchaus auf die DSGVO (oder: GDPR) hinweisen, allerdings so, dass man häufig mit wenigen Klicks sämtlicher Datennutzung zustimmen kann - oder eben die Hölle durchlaufen muss, um diese Zustimmung an zahlreichen stellen zu deaktivieren. Meine bessere Hälfte landete kürzlich auch beim typischen 404-Fehler ("Seite konnte nicht gefunden werden"), beim Versuch die Optionen überhaupt nur zu laden.

Und dann gibts mittlerweile auch diese Seite.

Yep, das läuft genau so wie man es erwartet hat: Nicht.

 

Nachtrag:

Es kam doch noch eine Antwort! Nicht von Frau Jurová und ohne erwähnenswerte Inhalte - aber es kam ne Antwort. Eine, die versucht berechtigte Bedenken und Ängste zu beschwichtigen, frei nach dem Motto "Ist doch alles halb so wild!" - aber gleichzeitig stets erwähnt dass diese Antwort selbstredend nicht bindend ist, keine Grundlage für Handlungsweisen darstellt und dass man sich vorbehält im Ernstfall auch gänzlich andere Positionen zu beziehen. Das ist also nicht ansatzweise hilfreich oder greifbar und daher eben auch nicht weiter erwähnenswert. Ich hatte ein paar sehr konkrete Fragen gestellt, auf die der erhaltene Textbaustein leider keinen Bezug nimmt.