Samstag, 17. Juni 2006 | 00:55

gee


alle zwei monate überkommt mich eine gewisse spannung wenn ich meinen briefkasten öffne. alle zwei monate gibt es einen triftigen grund zu lesen. alle zwei monate gibt es ein kleines powerup im real-life. die 'gee'

"games, entertainment, education" - mit diesem titel trumpft das meiner meinung nach beste derzeit erhältliche games-mag auf. ja, eine spiele-zeitschrift. aber doch nicht so wirklich. weil ich spiele-zeitschriften ja eigentlich nicht mag.

üblicherweise sehen sie alle fast gleich aus: immer den screenshot vom derzeit heissesten game auf dem cover, immer eine oder mehrere silberscheiben als zugabe, mit mehr demos als man bis zum erscheinen der nächsten ausgabe anspielen könnte, mit vollversionen die kein mensch braucht. obwohl sie eigentlich immer darum bemüht sind noch bessere bilder und noch mehr details als die konkurrenz zu veröffentlichen wirken sie auf mich alle gleich, als gäbe es nurnoch textbausteine mit denen man den heftinhalt zusammenschnipselt. und man findet vor allem eines: spezialisierungen.
eine plattform, ein heft. ein verstaubtes konzept das einst, als es vielleicht zwei oder drei herausgeber dieser "infobroschüren" gab, noch funktionieren mochte, aber ich habe weder die zeit noch die lust mich zwischen zehn verschiedenen x-box-zines zu entscheiden. also zurück zur 'gee'.

das heft sticht schonmal wegen der gestaltung ins auge und muss sich weder vor der altbackenen konkurrenz noch vor der freundin in irgendwelchen schubladen verstecken. die gee besticht einfach durch frisches design und klare strukturen. keine zehn spieleberichte pro seite. keine doppelseitigen tabellen mit winziger, unleserlicher schrift. keine allmonatlichen hardwaretests. keine werbung in nervtötenden mengen. das noch relativ junge magazin aus hamburg erweist sich auch als flexibel: style-veränderungen sind nicht ausgeschlossen, immerhin will man der kundschaft bieten was sie verdient - simply the best.

inhaltlich verzichtet man auf beschränkungen. ob pc oder konsole, nichts kommt zu kurz. man versucht aber garnicht erst jedem fachbereich umfassend gerecht zu werden. selbstverständlich werden die highlights angesprochen, neuheiten vorgestellt, spiele getestet und bewertet.
aber daneben bleibt auch noch zeit für allerhand sinnverwandtes: die 8-bit-musikszene wurde durchleuchtet, entwickler kommen zu wort, studios werden besucht, politiker interviewt. in der aktuellen ausgabe: ein 13 seiten umfassender bericht über aufstieg und fall der arcade-szene. und immernoch genügend platz und zeit um neue filme vorzustellen, musikalische neuerscheinungen zu bewerten und die großen namen zu interviewen, wie zum beispiel mike skinner (the streets) oder thom yorke (radiohead). hab ich vielleicht vergessen die berichte über webkultur und gadgets aller art zu erwähnen?

allen heften gemeinsam: der hang zum "retro". es scheint so als wären die redakteure des magazins alteingesessene gamer. die sorte, die den gameboy noch als grauen, großen, unhandlichen klotz kennt - ohne farbdisplay. die sorte, die auch mit begriffen wie "atari" oder "commodore" noch was anfangen kann. leute die schon lange dem joypad verfallen sind und wissen wovon sie schreiben.
was den lesern zugute kommt. diese sollen nicht nur unterhalten, sondernd auch unterrichtet werden. wie es eben so schön heißt: lesen bildet. wird ein thema aufgegriffen, dann richtig. selbst als laie kann man den leicht verständlichen beiträgen folgen und nicht zuletzt auch wegen der umfangreichen und tiefgängigen erklärungen wissen sammeln.

die gee schafft so den sprung vom wegwerf-magazin zum nachschlagewerk - das soll erstmal jemand nachmachen.

und die cd? jein. es gibt das magazin mit bonus-dvd, ja. allerdings versteht sich die gee, was schon aus der auflage von 8 ausgaben pro jahr hervorgehen sollte, nicht als massenware! es gibt eine heft-dvd - wenn genügend material für eine dvd zusammengekommen ist. nicht die masse zählt - es ist der inhalt.

bleibt noch etwas zu bemängeln: das heft lässt sich nicht überall finden. hier, in einem 30.000-einwohner-ort, haben zwei ernstzunehmende zeitschriftenläden dieses magazin aus dem programm genommen - vermutlich wegen zu geringer nachfrage. am preis von 3,80€ kann es ja wohl nicht gelegen haben. aber weil man sich selbst ja auch mal was gönnt: das abo für freundliche 25€ / jahr wird mit einem hybschen shirt belohnt :)


geemag.de


nachtrag:

gee, again.

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