Donnerstag, 2. November 2006 | 15:57

in memorial to a good guy - r.i.p.

menschen sterben. liegt in ihrer natur. das muss quasi so, aber trotzdem ist es befremdlich. so richtig kommt man nicht damit klar. man gewöhnt sich allenfalls etwas daran und denkt nicht weiter darüber nach wenn menschen sich ihrem lebensabend nähern und schließlich von uns gehen. wer im alter stirbt, woran auch immer, geht schließlich auch nur irgendwie den vorgesehenen weg und selbst die angehörigen und hinterbliebenen werden das früher oder später verstehen.

etwas anders verhält es sich wenn junge menschen sterben - einfach so. wer hört dass ein 22jähriger mann verstorben ist, der denkt zunächst vielleicht an die zwei häufigsten ursachen: unfall oder überdosis. vielleicht auch eine kombination von beidem.


aber es kann auch anders kommen. ganz anders.


stefan f. war mit sicherheit irgendwo ein freak. "nur ein weiterer freak im freak-königreich". so hab ich ihn jedenfalls kennengelernt. lebensfroh, risikobereit, abenteuerlustig - und punk durch und durch. so richtig nahe stand ich dem gelernten maurer damals eigentlich nicht, aber was neben seiner ausgefallenheit und eigenart auch wirklich jeder gewusst, gespürt haben muss: er hatte das herz am rechten fleck. und darauf kommt es schließlich an.

die letzten jahre habe ich ihn kaum gesehen. hier und da beim weggehen, in verschiedenen kneipen. oder bei geburtstagsfeten von gemeinsamen freunden. auf einer solchen bin ich zum letzten mal lange mit ihm ins gespräch gekommen. ruhiger ist er geworden, ernsthafter und vernünftiger - wenn man so will. damals hatte er eine freundin, ein sehr nettes mädchen, welches sicher nicht ganz unschuldig daran war. er war glücklich, durch und durch. sie hatten gemeinsame pläne.

das liegt mittlerweile auch schon wieder monate zurück. stefan verstarb vergangenes wochenende in der nacht von freitag auf samstag. ich weiß nichtmal genau wie alt er wirklich war, vermutlich war er um die 22 jahre alt.

in einem ereignislosen kaff verbreiten sich solche nachrichten schnell und die passenden gerüchte kursieren überall: mal heißt es er habe sich erschossen, mal soll er sich mit tabletten das leben genommen haben. die wahrheit, oder besser das, was mir als solche zugetragen wurde, ist jedoch viel banaler, viel simpler und auch viel trauriger.


stefan hatte die chance auf einen arbeitsplatz bei bmw. weg von der baustelle, weg von der saisonabhängigen arbeitslosigkeit, hin zu geregelten arbeitszeiten in einem weltkonzern. mit der neuanstellung einher ging natürlich eine probezeit - in welcher er erkrankte. lungenentzündung, bronchitis, ich bin kein mediziner, aber etwas derartig gravierendes muss es wohl gewesen sein. um seinen job in der probezeit nicht zu gefährden hatte er darauf verzichtet sich krankschreiben zu lassen. ich habe gehört dass er eine ganze woche unter schwersten krankheitssymptomen weitergearbeitet haben soll. von freitag auf samstag ist er dann verstorben, an den folgen seiner verschleppten krankheit.

ich denke diese ereignisse sprechen sehr gut für sich selbst und wir alle, die wir "die gesellschaft" bilden, können uns gegenseitig auf die schulter klopfen. this is how we do it, soweit sind wir also gekommen. soviel also zur oft gepredigten äusserung "man muss froh um seinen arbeitsplatz sein".


ob stefan jetzt froh ist?

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