Sonntag, 7. Oktober 2007 | 16:44
das imperium der schande
mit dem titel jean ziegler ein buch geschrieben dass eigentlich jeder mensch mal gelesen haben sollte. der titel allein kann leicht irreführen, und auch das hauptthema, dem sich ziegler widmet - der verschuldung der "dritte-welt"-länder - lässt oberflächlich nicht die tragweite der im buch offenbarten erkenntnisse erahnen. ziegler selbst hat es am kürzesten und treffendsten formuliert:
es kommt nicht drauf an den menschen der dritten welt mehr zu geben, sondernd ihnen weniger zu stehlen.
vorweg: ziegler ist un-sonderberichterstatter, hat aber trotzdem die fähigkeit bewahrt sich verständlich auszudrücken, so dass selbst ich diesem buch problemlos folgen konnte. er hat viele weitere kritische bücher verfasst und es scheint zu seinem alltag gehören hinter die fassaden zu blicken und die zusammenhänge zu sehen und sie zu verstehen. genau das bringt er dem "einfachen volk" näher, aber genau dafür wird er auch kritisiert.
das imperium der schande
ein buch das von der verschuldung der ärmsten länder der welt handelt - und trotzdem lesenswert ist. dem inhalt des buches kann man in ein paar sätzen eigentlich nicht gerecht werden. ziegler beginnt beim grundgedanken der französischen revolution (er liebt sie und zitiert oft aus dieser zeit) und endet bei der einführung der 40-stunden woche in den vergangenen jahren, hier in der bundesrepublik. die ersten paar seiten drängt sich der verdacht auf ziegler wäre ein gutmensch durch und durch, ein moralapostel wie er größer nicht sein könnte. er appelliert an das gewissen und schreibt von der schande und scham, die einhergehen mit dem, was er nach der einleitung in seinem buch offenbart.und dann wird es derb. ziegler umrundet diesen planeten und beschreibt die situation, die seit jahrzehnten von den machthabenden aufrechterhalten wird: die 500 größten konzerne der erde, zielger nennt sie transkontinentale kapitalgesellschaften, geleitet von kosmokraten, kontrollieren mehr als die hälfte des vermögens auf dieser erde. sie häufen reichtümer an indem sie gewinnoptimiert denken und handeln - und ziegler weiß, was das bedeutet. er veranschaulicht im großen und kleinen wie die großen privatgesellschaften die dritte-welt-länder systematisch ausbeuten, um das gefüge, die güterverteilung dieses planeten, nach möglichkeit so zu belassen wie sie ist - oder noch zu verschlimmern. hilfe für die bedürftigen? spenden für die dritte welt? nichts als eine farce!
Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.
südamerika und afrika, aber auch südasiatische staaten - dort findet man die ärmsten der armen nationen, die weniger als nichts besitzen. die tatsache dass menschen dort überleben können grenzt an ein wunder. wer nun denkt dass dieses "problem"über kurz oder lang durch spenden der westlichen, wohlhabenden welt gelöst werden könne, der irrt: selbst die jährlichen aufwendungen von 30 milliarden dollar, die zur bekämpfung der armut und zum abbau der schulden beitragen sollen, sind ein hohn - bei insgesamt 2400 milliarden dollar schulden der dritten welt. ja, das sind 2,4 billionen dollar.
am beispiel von kamerun wird deutlich wie schwer diese summe auf den schultern der nationen lastet: während für sämtliche grundliegende sozialleistungen nur 4% des kapitals aufgewendet werden, sind 36% der gelder dazu bestimmt die schulden bei westlichen banken und anderen institutionen abzubezahlen. ein aussichtsloses unterfangen, wenn man bedenkt dass es weitaus ärmere gegenden gibt, in denen jeder im land erwirtschaftete dollar komplett in die schuldentilgung fließt - während der schuldenberg wächst, um den menschen nahrung zukommen zu lassen.
am beispiel von brasilien, einer der größten wirtschaftsmächte des planeten, zeigt ziegler deutlich wie die ausbeutung der dritte-welt-länder funktioniert. zwar hat brasilien eine florierende wirtschaft, doch diese gehört beinahe vollständig ausländischen gesellschaften. das meiste in brasilien erwirtschaftete geld fließt in die taschen der erwähnten transkontinentalen kapitalgesellschaften, während das brasilianische volk hungert.
Heute stirbt alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder an mit Unterernährung verknüpften Krankheiten. Im Jahr 2005 hat der Hunger mehr Menschen getötet als alle in diesem Jahr geführten Kriege zusammen.
in einem fort präsentiert ziegler fundierte beispiele wie beispielsweise die institutionen von bretton-woods oder nestlé seit ewigkeiten mit den menschenrechten, gewerkschaften, arbeitnehmern und der zivilbevölkerung umspringen. einzelschicksale interessieren hier niemanden, selbst wenn ganze landstriche und abermillionen menschen vor die hunde gehen zuckt keine wimper - und die multi-millionen-pharmaziekonzerne erfinden noch eine weitere anti-alten-creme, statt den notleidenden eine grundliegende, medikamentöse behandlung zu angemessenen preisen zu ermöglichen.

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nach drei schlaflosen stunden im bett hab ich mich entschieden wieder aufzustehen und euch bei strahlendem sonnenschein, vogelgezwitscher und frühlingsidylle vor den kopf zu stoßen. nach jean zieglers "imperium der schande" hab ich nun die ersten 50 seite