Samstag, 10. Januar 2009 | 14:53

budapest 2008-2009

das ist kein cityguide, reisender. falls du irgendwelche fakten zur ungarischen metropole suchst bist du hier falsch. es war ein trip, und was folgt ist ein tripbericht. nicht mehr, nicht weniger...


ich weiß nicht genau wer auf die idee kam, ob es nun der mongole oder der samurai war. jedenfalls fiel der vorschlag das alte jahr fern der heimat zu beerdigen. in budapest. in ungarn. warum eigentlich nicht?

zu sechst mit zwei autos traten wir die fünftägige reise an. im kombi mit fünf komma irgendwas durchschnittsverbrauch hielten sich die reisekosten schonmal in grenzen. das timing hätte nicht besser sein können, freie fahrt auf der ganzen strecke. die 700 kilometer schafft man in unter acht stunden. theoretisch auch in kürzerer zeit, dann sollte man den tempomat allerdings nicht auf 120 sachen einstellen.

 

arrival. ungarn ist langweilig, jedenfalls die grenznahen gegenden. trostlose landschaften, kerzengerader straßenverlauf, völlig veraltete reklametafeln. budepest selbst hingegen strotzt nur so von leben und vielfalt - eine metropole eben. eine typische großstadt. der weg zum hotel hat uns an den rand der innenstadt gebracht und wer hier alltäglich mit dem auto unterwegs ist gewöhnt sich wohl an das chaos.

das hotel lag günstig: nicht zu weit ausserhalb, nicht mittendrin - mit guten anbindungen an die öffentlichen verkehrsmittel. vier sterne, das heißt übersetzt: man kanns da gut aushalten. für 35€ die nacht (ohne frühstück) gabs nichts zu bemängeln, ausser vielleicht die sparsamen heizungen. 18° zimmertemperatur sind einfach etwas zu wenig.

 

sightseeing. mit nem wochenticket für die metro lässt sich der stadtkern recht bequem erkunden - ein stadtplan sollte allerdings nicht fehlen. aussprache und schrift haben im ungarischen nicht viel miteinander zu tun. die verständigung mit den eingeborenen ist kein wirkliches problem, englisch und deutsch sind in deren schulsystem pflicht-fremdsprachen. und wenn dich dann jemand versteht, dann hilft er dir auch irgendwie weiter. logisch, ist ja nicht jeder so unhöflich wie der durchschnittliche deutsche.

wer die vielen monumentalen bauwerke, museen und noch weitere sehenswürdigkeiten betrachten will sollte nicht zum jahreswechsel anreisen. in budapest gehts zu dieser zeit eher gelassen zu und ob die läden nun öffnen oder nicht scheint von den inhabern gewürfelt zu werden. man könnte sagen dass die durchschnittliche sylvesterfeier in budapest am 30.12. beginnt und irgendwann nach dem 02.01. endet. geld abheben, einkäufe erledigen - das ist glückssache.

btw, geld: budapest ist längst kein billiges pflaster mehr. klar kostet ne tasse kaffee dort weniger, aber im schnitt sind die preise identisch mit den unsrigen. schuld daran sind sicher diese verdammten touristen.

das nationalmuseum haben wir besucht, vor allem weil der mongole sich sehr für einen bestimmten teil der ausstellungen interessiert hat. oder besser: hätte. dass ausgerechnet dieser teil auf ner wanderausstellung gezeigt wurde konnte im vorfeld ja niemand wissen. weitere kulturelle must-have-seens gab es auf meiner liste nicht, bei temperaturen unter null stand mir der sinn nach warmen klamotten und ner wärmenden mahlzeit. auf das bergwandern zur nahegelegenen zitadelle konnte ich getrost verzichten.

 

nightlife. gerade zum jahreswechsel überbieten sich die veranstalter mit events. die vielen englischsprachigen magazine bieten einen guten überblick und beim stöbern verfing sich mein blick auf einer werbeanzeige: balkan beat night! neben tschechischen und französischen plattenlegern sollte auch ein liveact den feierwütigen einheizen. eintritt frei. noch fragen?

einst als tiefgarage geplant wurde das unterirdische areal schließlich als club genutzt in dem sehr sehr viele leute platz finden. die musik, vor allem die liveband, sorgten für ausgelassene stimmung und die coctails erledigten den rest. ein paar stunden später saßen wir bei nachtschwärmern aus budapest. ein wüster mix aus deutsch, englisch und schwäbisch sorgte für lange unterhaltungen. der abend endete sehr spät und mit einer unerwarteten einladung: ne party, irgendwo in budapest. in irgendeiner bude. keiner kennt keinen. viele menschen. wir sollten da auftauchen.

 

the last day. frühmorgens um 16:00 begann der letzte tag des jahres wie jeder andere auch mit ner tasse kaffee und ner zigarette. nach einem wie üblich ausufernden, mehrgängigen fressgelage trotteten wir bei eiseskälte durch die innenstadt. auf sämtlichen größeren plätzen sollte eine feier nach programm die zuschauer locken, am wegesrand konnte man sich alle paar meter mit alkohol versorgen. wir begutachteten dieses treiben ein weilchen und nahmen dann kontakt zu den am vorabend geschlossenen bekanntschaften auf. per telefon wurden wir zu den entsprechenden stationen gelotst und schließlich an einer straßenbahn-haltestelle empfangen.

bereits im treppenhaus des gebäudes standen menschen. obwohl die wohnung mit ihren locker vier meter hohen decken, weißen flügeltüren und großen räumen unzähligen leuten platz bot - es war einfach zu viel los. in der küche hatte sich neben der spüle ein dj einquartiert und beschallte das appartement mit ungarischem d'n'b, ska und anderer gute-laune-musik. tanzen, schwitzen, trinken. und: wieder neue leute kennenlernen, gute unterhaltungen führen.

es hat schon was bei wildfremden menschen irgendwo in budapest auf der couch zu sitzen. berauscht und besoffen, darüber diskutierend welcher sopranos-charakter denn der coolste sei. was wär nochmal schnell die alternative gewesen? der marktplatz des heimischen 30k-seelen-kaff? dass ich nicht lache...

 

relaxen. es heißt man solle den ersten tag im neuen jahr in vollen zügen genießen, da dieser den kurs für das jahr angibt. wir haben lang geschlafen und den abend in einem am stadtrand gelegenen bad verbracht, zwischen jacuzzi und sauna pendelnd. was das jetzt für das kommende jahr bedeutet ist mir einerlei, es war jedenfalls sehr entspannend.

am nächsten tag stand uns schon wieder unsere abreise bevor. wären wir noch geblieben, unser kontaktmann in budapest hätte sich sogar noch die zeit genommen und uns die stadt gezeigt. osteuropäische gastfreundschaft ist umwerfend. so verließen wir allerdings schon am vormittag das hotel und eine reibungslose fahrt brachte uns zurück in die heimat.

 

 

viele tausend kleinigkeiten hab ich wie immer vergessen, manche sachen sind auch schlichtweg nicht für eine breite öffentlichkeit bestimmt. mein dank geht natürlich an alle mitreisenden, besonders an den mongolen, der uns sicher gefahren hat. special thanks gehn raus an kristóf, der nicht nur ein angenehmer geselle zum feiern ist, sondernd uns mit dieser einladung ein sehr einmaliges und unvergessliches sylvester beschert hat.

 

pics. für die daheimgebliebenen gibts noch ne handvoll bilder. nichts überragendes, aber ein paar eindrücke:

budapest 2008 - 2009

 

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