Mittwoch, 28. Oktober 2009 | 13:16

goodbye, journalism

kürzlich hab ich mal wieder den gedruckten "spiegel" zur hand gehabt. und aus langeweile darin geblättert.


zuerst fiel mir eine doppelseitige werbeanzeige für braunkohle auf. ja, richtig gelesen - für braunkohle. die ja so immens wichtig ist für unseren energiehaushalt. die kann man sich aus diesem auch nicht wegdenken. und jaaaa - braunkohle ist auch in zeiten des (erfundenen) klimawandels ein brauchbarer, zukunftsweisender energielieferant. klar soweit?

weiter gehts mit einer priese terror. denn wie soll man eine bevölkerung vernünftig in den wahnsinn treiben wenn man ihr nicht wieder und wieder diese gar fürchterlichen terrormeldungen vorsetzt? von 9/11 bis zu den jüngsten videos wurde alles mögliche rausgekramt - und dabei gänzlich unkritisch und so weichgekaut wie gewohnt serviert: deutschland gerät immer weiter ins ziel der terroristen, wir alle werden sterben. interessant ist dabei die argumentation - ganz gleich ob es vor anschlägen eine warnung gibt oder nicht, ganz gleich welche anschläge wirklich stattgefunden haben und welche nicht, ganz gleich wie fundamentiert oder schlüpfrig die sachlage war - wir haben nicht die geringste chance gegen internationalen terror, wenn wir nicht alle angst haben und dringend was für die innere sicherheit tun. tolle wurst.

das hauptthema war dann: die kriese. ich dachte eigentlich das wär vorbei und die wahlen könnten wichtiger sein, aber der längste artikel beschäftigte sich dann doch mit der wirtschaftskriese: was war, was ist, was wird. der spiegel macht das was sonst niemand wagen, geschweigedenn veröffentlichen würde: prognosen, diagnosen und statistiken - bis ins jahr 2025. anhand aktueller geschehnisse druckt man seitenweise diagramme und zitiert halbsätze, die dann irgendwie darauf schließen lassen sollen was in über 15 jahren passiert. ich wette die haben da auch ne glaskugel in der redaktion.


und dann der große fehler: ein mehrseitiger artikel, gewidmet dem bundesverfassungsgericht. der letzten demokratischen instanz. die letzte barriere, die uns bürger vor den größenwahnsinnigen, verfassungsfeindlichen plänen der regierung schützt. hier lässt sich der spiegel dazu hinreißen die position der befragten politiker zu beziehen: dieses gericht, was bildet sich das eigentlich ein? spielt da permanent zweiter gesetzgeber, legt der regierung nur steine in den weg und lässt ein schönes vorhaben nach dem anderen platzen? so kann man nicht ordentlich regieren - und natürlich auch nicht für die in terrorzeiten so notwendige sicherheit sorgen. für die zahlreichen wortgeber und den spiegel ist das also eine frechheit - für mich ist es ein derartiger artikel.

 

das ist also "journalismus", das sind also "informationen". gut zu wissen.


da überrascht es mich nicht wenn ich wie heute über eine kleine medienanalyse stolpere die besagt dass sich immer weniger menschen für die diversen nachrichtenformate interessieren. und damit waren nicht nur die rückgängigen verkaufszahlen im print-bereich gemeint, sondernd auch die einhergehenden schwindenden besuchzerzahlen der entsprechenden online-präsenzen.

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