Montag, 2. Juli 2012 | 13:30

facts & truth

man begegnet ihnen überall: "fakten". genau so wie man nicht um die "wirklichkeit" oder die "wahrheit" herum kommt. das ist auch völlig okay und nur mit begriffen wie diesen kommen wir überhaut durch den alltag, durchs leben.

vielleicht sollte man sich von zeit zu zeit aber auch etwas anderes in erinnerung rufen: es gibt keine "fakten" und nichts ist "wahr".


alles - und zwar ausnahmslos alles - was wahr und richtig zu sein scheint lässt sich in frage stellen. mit herkömmlich angewandten methoden können wir nur feststellen dass der apfel vom baum auf die erde fällt und dass das wohl auch so bleiben wird. wir sehen und verstehen, soweit uns das eben möglich ist.

beginnt man aber fragen zu stellen, ähnlich einem warum?-kind, endet das erklärbare relativ bald. unterm strich bleiben dann nur noch theorien. diese bewahrheiten sich allerdings relativ häufig, so dass man bei vielen theorien sehr warscheinlich davon ausgehen kann dass sie wahr sind. allerdings ist das noch keine gewissheit - und damit kein fakt.

im allgemeinen empfinden wir die theorien als richtig, zu denen sich die mehrheit hingezogen fühlt. wenn alle der selben meinung sind wird diese im lauf der zeit als fester bestand des wissens geführt. wenn also heute jemand am straßenrand verkündet unsere erde sei eine überdimensionale kirsche im eisbecher eines gigantischen wesens namens franz, dann erklären wir ihn für verrückt. wenn jedoch - auch welchen gründen auch immer - 2/3 der menschheit diese ansicht teilen wird diese zuordnung schon schwieriger. auch wenn dieses beispiel sehr abwegig klingt: wir menschen haben großes talent darin unlogische und gar widersprüchliche verhaltensweisen als "ganz normal" zu betrachten. da bedarf es noch nicht einmal der manipulation unserer sichtweisen durch dritte.


es spielt garkeine rolle ob man physik, mathematik oder religionen betrachtet - unterm strich weiß niemand etwas. wobei religionen zum großteil auch nicht sonderlich darum bemüht sind wissen zu erlangen. in wissenschaftlichen bereichen ist das allerdings der antrieb, die motivation für den beständigen fortschritt - der mensch will ergründen was er nicht kennt und ist stets um antworten bemüht. sehr häufig jedoch führt das finden einer antwort nur dazu dass diese eine unmenge an weiteren fragen aufwirft. ein ende ist da nicht in sicht.

stark vereinfacht könnte man sagen: religionen verkürzen den weg ins unwissen. wer prophezeiungen, überliferungen oder predigern glauben schenkt weiß nicht viel von der welt, da alle religionen die elementaren fragen ins übernatürliche, mystische, "göttliche" verlagern. wer wissenschaftlich denkt schreitet ein ganzes stück weiter auf dem weg des bisher bekannten, endet jedoch ebenfalls beim unerklärlichen.

zu allem überfluss kommt noch hinzu dass man sich auf der suche nach wahrheit gerne selbst im weg steht - kein wissenschaftler ist vor den schwächen des menschlichen denkens sicher. optische täuschungen sind nur eine kleine, verspielte möglichkeit um uns aufzuzeigen wie wenig verlass auf unsere sinne ist. jeder einzelne davon unterliegt den verschiedensten täuschungen und illusionen, wenn man das ganze auf die spitze treibt könnte man sagen dass nichts von dem was wir selbst empfinden verlässlich ist - was im alltag aber sicher eine besonders unpraktische denkweise wäre.


wir können häufig nur experimentiell überprüfen ob die von uns aufgestellten behauptungen wahr sind. solange die versuchsergebnisse eine these stützen, sie sich mit den geltenden physikalischen gesetzen erklären lassen und es dabei zu keinen gravierenden abweichungen kommt gehen wir davon aus dass diese these wohl richtig ist. ausserdem stützen sich viele entdeckungen und erklärungen darauf dass eine theorie nicht nur hier auf unserer erde, sondernd überall im universum gültig ist - was sich natürlich eher schlecht beweisen oder widerlegen lässt. und obendrein sind wir selbst, als "finales messgerät", sehr fehleranfällig wenn es um die wahrnehmung und deutung von vorgängen geht.

...aber das ist kein grund zur sorge - selbst wenn wir nicht im geringsten wissen wo wir herkommen, wie die erde entstanden ist, wie das universum funktioniert, warum gegenstände ein gewicht haben oder was eigentlich zeit ist und wie sie funktioniert: unser kurzes dasein auf dieser welt wird davon wohl völlig unberührt bleiben und wenn ich mal wieder irgendwo zu spät dran bin weiß ich plötzlich wieder ganz genau was zeit ist: das, was mir immer fehlt ;-)


vielleicht sollte man nur gelegentlich dran denken dass nichts auf diesem planeten, weder die klügsten wissenschaftler noch die dümmsten religiösen fanatiker, irgendwelche tatsächlich brauchbaren erklärungen liefern können - wir raten alle nur, aber das auf teils sehr hohem niveau.

eines der vermutlich spannensten kapitel im gesammelten unwissen ist die quantenphysik. obwohl ihre anfänge schon um 1900 zu finden sind weiß man auch heute noch beinahe nichts über teilchen, die zwei zustände gleichzeitig besitzen können. oder um es mit dem bekannten gedankenexperiment schrödingers auszudrücken: die katze ist gleichzeitig tot und lebendig. ich denke als "wissen" kann man das nicht bezeichnen.


wenn es also irgendetwas gibt dass "fakt" ist, dann vielleicht folgendes: es wird dem menschlichen verstand NIE möglich sein alles bis ins letzte aufzuklären.

vermutlich schon allein deshalb, weil wir nur in der lage sind innerhalb unseres geschlossenen systems selbiges zu untersuchen. wer sein ganzes leben in einem geschlossenen raum ohne fenster verbringt wird bei untersuchungen über die welt um ihn herum vermutlich zu den abenteuerlichsten erklärungen kommen...

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