23.10.2006 | 18:46

dungeons&dragons - die macht der elemente

manch einer weiß vielleicht was ein w20 (bzw. d20) ist, dass ein charakterbogen keine altertümliche schusswaffe ist, dass ein spielleiter nicht zwangsweise beim sport vertreten sein muss oder dass der begriff "pen&paper" nichts mit schriftstellern zu tun hat.

der rest kennt "diablo", "baldurs gate" oder eben neumodischere rpgs wie "world of warcraft". und wer bis jetzt nur die stirn runzelt: wo hast du die letzten 20 jahre gelebt, mann??

fantasy-rollenspiele haben tradition - und dungeons&dragons, kurz d&d, nimmt dabei als eine sehr weit verbreitete spielebasis einen hohen stellenwert ein. scheinbar so hoch dass sogar ein film dazu gedreht wurde - das war schon zwotausend und der streifen war nichtmal schlecht.

eine abenteuerliche gruppe mitsamt allem was dazugehört (elf, zwerg, magierin, dieb, quotenschwarzer), sorgte für reichlich action auf der leinwand - und für viele lachanfälle. der plot war im wesentlichen: verhindere dass der böse mann macht über eine drachenarmee bekommt. die fantasywelten waren liebevoll in szene gesetzt, die schauspieler absolut unrealistisch aber dafür um so überzeugender ausstaffiert, tolle computereffekte ließen die wildesten kreaturen über die leinwand huschen und alles in allem ist ein richtig gute, lustiges, ansehnliches werk entstanden - sofern man eben fantasyfilme mag.


... aber dann mussten sie ja letztes jahr teil zwei der geschichte drehen!

ohne je etwas davon gehört zu haben kam ich letztens in den genuss den nachfolger, "d&d - die macht der elemente" zu gucken. tief, tiefer, bodenlos.

vor trister, absolut lachhafter kulisse predigen gelangweilte, uninteressante, schlechtgekleidete schauspieler ihren text. der wortwechsel ist in etwa so flüssig wie bei diesen gerichtsshows im nachmittagsprogramm. in den ersten 30 minuten wird man zeuge wie verzweifelt versucht wird an dem vorgänger anzuknüpfen. der böse mann hat nämlich doch irgendwie überlebt und in einem berg unweit eines dorfes schlummert ein drache. logische folgerung: der bösewicht will sich die macht des drachen via artefakt zunutze machen, die dorfbewohner eigentlich nur dass der drache sie nicht alle frisst und weiterschläft. etwas derartiges braucht natürlich 30 minuten dialog um irgendwie das gefühl einer story aufkommen zu lassen wo man eigentlich nur wieder abschalten möchte.

anschließend werden eine handvoll mitstreiter des haupt-helden vorgestellt, ihre geschichten erzählt und sie versammelt - in ca. 5 minuten. nachdem man so also ein gewisses maß an hass für den regisseur entwickelt hat macht sich das weder lustige noch actiongeladene abenteurer-grüppchen auf den weg um schlimme dinge zu verhindern. dabei sterben die hälfte der großartigen, gefährlichen, namhaften wegbegleiter des protagonisten ungefähr so schnell wie sie vorgestellt wurden. wer hier noch nicht die fernbedienung zerbissen hat darf sich freuen! es folgen noch einige weitere schlechtgeplante geplänkel und kämpfe, miese dialoge und langweilige drehorte. irgendwie müssen die ~100 minuten laufzeit ja voll werden.

was das fass zum überlaufen bringt sind die szenen, in denen magie gewirkt wird. liebe produzenten: wir leben im 21. jahrhundert. einen zauber visuell darzustellen indem man den gesamten bildschirm einfach kurz zum flackern bringt ist irgendwie einfach nicht angemessen, da war man technisch bereits in den achziger jahren fortschrittlicher. die einzige animation die als halbwegs vertretbag betrachtet werden kann ist der alte, mächtige drache, der auch das cover ziert - aber nicht vom glänzenden titelbild ablenken lassen! das vieh bekommt man sowieso kaum zu sehen, und selbst wenn es sich mal zeigt kann es einem vergleich mit den modellen von vor fünf jahren nicht standhalten.


alles in allem ist mir völlig schleierhaft wie soetwas überhaupt zustande kommen konnte - es kann doch nicht möglich sein dass sich alle an der produktion beteiligten menschen so im geschmack verirren? auch irgendwie merkwürdig ist dass selbst für diesen weniger sehenswerten film mit dem original d&d-logo geworben werden darf. also, wer hardcore-fan ist und in seiner spielgruppe auch noch nie so wirklich ne herausforderung hatte wird sich vielleicht darüber freuen: drachen und schwerter, und ein dungeon kommt auch mal vor.

wer aber lieber eine richtig gelungene verfilmung eines rollenspiels sehen möchte sollte dann doch lieber zu teil eins greifen und diese fortsetzung einfach aus dem gedächtnis löschen...

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