27.02.2007 | 23:31

dosensuppe, 69cent

gerade zu „spiegel tv“ gezappt und hängengeblieben. ein bericht über einen kleinen, gut besuchten supermarkt an der reeperbahn. am ausgang fängt der kaufhausdedektiv aka. geschäftsführer einen etwa vierzigjährigen, heruntergekommenen typen ab: „der kommt hier jeden tag her, trinkt ne suppe und lässt auch noch eine mitgehn!“

im büro dann der fund - eine dosensuppe, kosten btw. schadenssumme: -,69 (neunundsechzig cent). der mann ist gefasst und schlagfertig: „eine hab ich drin schon getrunken. aber der erwischt mich ja nicht immer“. der reporter: „kalt?“, der kerl lacht: „ja, klar! besser kalte suppe als keine suppe“.

er sieht mitgenommen aus, ein vermutlich schwerer unfall hat sein gesicht entstellt. er ist obdachlos, schläft auf der straße. früher war er möbelpacker, zwanzig jahre lang, erzählt er, aber er könne mit den jüngeren eben nichtmehr mithalten. er habe schmerzen und kaputte knochen. alles an ihm verrät dass er die wahrheit sagt.

der geschäftsführer ist empört: „ich hab ihnen doch schon dreimal hausverbot erteilt!“. das scheint den typen nicht zu interessieren. „was soll ich denn machen?“ meint er. dann rückt die polizei an, die den weiteren verlauf des diebstahls nun regeln wird. auch als die beamten eintreten ist der erwischte obdachlose bester dinge: „ob ich was getrunken habe? ja, natürlich! das gehört zu meinen lieblingsbeschäftigungen, wissen sie? ich tu das von morgens bis abends“, antwortet er auf die frage nach alkoholkonsum. danach will die polizistin die personalien aufnehmen und verlangt eine adresse. der kerl lacht und erklärt seine situation. dann will sie die telefonnummer wissen...


ich kann schon verstehen dass diebstahl, besonders in hartnäckig wiederholender form, eine straftat ist. aber ist wegen dieser verschissenen neunundsechzig cent tatsächlich notwendig dass ein fillialleiter, zwei polizeibeamte und eine nachfolgende justiz- bzw. bürokratielawine losgelöst wird, die dann unterm strich ein zigfaches des entstandenen schadens kostet, und zwar nichtmehr nur die kaufhauskette, sondernd jeden steuerzahler?

und davon abgesehen: ist dieses quentchen menschlichkeit denn tatsächlich zuviel verlangt? wie würde diese situation aussehen, wenn der fillialleiter die neunundsechzig cent aus eigener tasche berappen würde (sollte drin sein...), dem typen klar macht dass das niemanden was angeht, ihm die dose in die hand drückt und dann klarstellt dass er diese woche nichtmehr hier aufkreuzen soll? wären diese 2,76 im monat tatsächlich zuviel verlangt?

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