18.06.2007 | 07:04
sommerfest der npd
in der 'mittelbayerischen zeitung', der größten regionalen tageszeitung, lesen sich die geschehnisse vom vergangenen samstag so:
Bei einer Demonstration gegen Rechtsextremismus sind am Wochenende in der Oberpfalz rund 120 Teilnehmer aus der linken Szene von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Nach Polizeiangaben vom Sonntag wollten die Demonstranten in Schmidgaden (Landkreis Schwandorf) unerlaubt zu einem Gelände marschieren, auf dem die rechtsextremistische NPD am Samstag ihr bayernweites Sommerfest veranstaltete [...] Dabei sammelten mehrere von ihnen laut Polizei auch Steine ein und nahmen die Wurfgeschosse mit [...] Nach der Feststellung der Personalien seien die jungen Menschen wieder freigelassen worden, sagte ein Polizeisprecher [...](mz)
nun, das ist eine variante der wahrheit. eine andere kann ich durch die aussagen betroffener freunde hier wiedergeben...
schmidgaden. eine grundbesitzerin liegt im streit mit der obrigkeit. die genauen umstände sind egal, aber es mag wohl geld im spiel gewesen sein. und ein grundstück, dass durch diese umstände der npd in die hände fiel - so wurde also zum sommerfest geladen.
grund genug für eine gegenbewegung: parteien und selbstverständlich auch politisch linksorientierte gruppen luden ein seine stimme gegen die rechtsradikale präsenz zu erheben, sogar shuttle-busse von und zum schwandorfer bahnhof wurden organisiert. doch dann kam alles anders: bereits die anreise wurde zur tortour, da ein mehrere hundertschaften umfassendes polizeiaufgebot jede bewegung überwachte, fahrzeuge und personen gründlich und zeitintensiv kontrollierte.
am ziel angekommen wurde den demonstranten dann das demonstrationsrecht verweigert: die show sei vorbei, man habe nur zwei möglichkeiten - sich den partei-demonstrationen anzuschließen oder nach hause zu fahren.
etwa zu dieser zeit am schwandorfer bahnhof: etwa fünf polizeibusse samt gut ausgerüsteter mannschaft riegeln den busbahnhof ab und halten eine kleine gruppe von etwa 10 bis 20 personen fest - die mp stets im anschlag. das waren keine schwarz vermummten autonomen, keine gewaltbereiten radikalen, das waren "langhaarige mofarocker", gut die hälfte davon war noch lange nicht erwachsen.
in schmidgaden entschließen sich etwa 200 demotivierte demonstranten den standort zu wechseln um doch noch ihren protest gegen das npd-sommerfest kundzutun. die polizei hat das areal jedoch großflächig unter kontrolle, und will gesehen haben wie "mehrere" personen "steine und wurfgeschosse" mitnahmen.
da die anreisenden personen bereits zuvor kontrolliert wurden sind die "wurfgeschosse" entweder unbeanstandet durchgewunken worden oder ein hirngespinst der einsatzleitung, die selbst nicht vor ort war, sondernd anhand von videoübertragungen über die nötige vorgehensweise entschied. doch selbst wenn "mehrere" personen gewaltbereitschaft zeigten rechtfertigt das in keinster weise den weiteren verlauf: 120 demonstranten werden binnen minuten umstellt und verhaftet.
mit kabelbindern aneinandergefesselt wurden die personen auf einer wiese festgehalten und nummeriert. zunächst mit der aussage " man hätte schon seine gründe", dann wegen "nichtbefolgung des platzverweises", zuletzt und pressetauglich dann wegen besagten steinen und wurfgeschossen. zu diesem zeitpunkt war die dauer des freiheitsentzugs für die gesamte dauer der npd-veranstaltung angesetzt.
wegen einsetzendem regen wurden die gefangenen in eine nahegelegene turnhalle gebracht, teils mit extrem überfüllten polizeibussen, teils zu fuß - unter den augen schaulustiger, gaffender anwohner, die sich mehr für die demonstranten als um die rechtsextreme versammlung zu interessieren schienen. ohne jede versorgung wurden die 120 demonstranten dort bis in die abendstunden festgehalten, vernommen und erfasst, dabei wurde das verhalten der polizei sehr verschieden beschrieben - es gibt mitunter auch menschen in uniform, aber selbstverständlich auch jene autoritäten die es gewohnt sind respektlosigkeit auszustrahlen und überlegenheit zu präsentieren.
einigen demonstranten wurde dieses schicksal erspart, da sie wegen diversen unverstandenen symbolen schon an der anreise gehindert wurden.
ein glorreicher tag für die vielen angereisten polizisten, ein großer tag für eine lokal immer stärker präsente rassistische partei und deren 500 gäste, ein großer tag für beckstein, schäuble und alle gleichgesinnten.
ein verlustreicher tag für bürgerrechte und antifa, vernunft und freiheit. nicht irgendwo, nicht weit weg, nicht "die anderen" - genau um die ecke, genau wir, genau jetzt.
. demonstration gegen rechts - mittelbayerische.de
. massive polizeirepression gegen antifas - indymedia.org
. repression gegen antifas bei npd-bayerntag - indymedia.org
. polizei nimmt mehr als 100 teilnehmer fest - br-online.de
. npd-verbot-jetzt.de

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags