5.09.2007 | 21:56
themenabend: myspace
ich mag myspace nicht. und das ist noch harmlos formuliert. ich mag myspace nämlich wirklich nicht, nicht im geringsten. gut, das sagen jetzt viele - egal was, hauptsache anti. aber ich wollte dann doch mal ein paar gründe nennen....
es gibt also eine immens große community namens "myspace" zu finden auf der gleichnamigen webseite. 180 millionen mitglieder zählt das netzwerk des multi-millionen-dollar konzerns, damit ist myspace mehr als nur eine erscheinung im internet, damit sichert es sich führungsposition und wird als wegweisend im web-zwonull betrachtet. sowohl privatpersonen, hauptsächlich aber bands ziehen ihren nutzen aus der möglichkeit ganz simpel kontakte zu knüpfen um so aufmerksamkeit und alle daraus resultierende annehmlichkeiten zu erlangen. hat ja teils auch schon prima geklappt - bands die ihren erfolg ausschließlich dieser webpräsenz zu verdanken haben gibt es einige, tendenz steigend. also ist doch eigentlich alles in butter, oder?
naja, das kommt drauf an wen man da fragt. ich zum beispiel sehe das anders und denke dass mit myspace ein nicht unbedeutendes stück webkultur untergegangen ist, dass eine gesellschaft der desinteressierten daraus eintstanden ist und überhaupt - myspace ist schuld an allem. aber der reihe nach...
.01 - myspace: das königreich der selbstdarsteller
solche worte von einem blogger? oh ja. denn ich achte sehr auf meinen auftritt im internet, bemühe mich darum die beiträge so zu verfassen wie sie aus meinem mund stammen könnten und versuche etwas auszudrücken, und sei es nur halbgarer schwachsinn oder verfrühte kritik. viele menschen nehmen ähnlich am tagesgeschehen im internet teil und formen es so zu dem was es ist. und dann haben wir noch die 180 millionen myspace-user, deren hauptsächliches geschreibsel sich auf eine zielgruppe von einer handvoll virtueller freunde konzentriert und oft nicht über den smalltalk den man aus chaträumen kennt hinausgeht.nur: bei solchen chaträumen wird derartiger zeitvertreib nicht gespeichert und schon garnicht aufpoliert um sich irgendwie damit zur schau zu stellen. das myspace-prinzip lebt von flüchtigen bekanntschaften, vom augenblick in dem die kurzen kommentare verfasst werden, von den sekunden in denen man weitere freunde seiner liste hinzufügt. inwiefern das einfluss auf das sozialverhalten myspacegeschädigter teenager nimmt will ich dabei noch nichtmal erwähnen. im web zu glänzen ist ein erstrebenswertes ziel, so erweckt es den eindruck wenn man sich die profilseiten ansieht - hauptsache auffallend und cool, dann noch der richtige track im player und dann werden sich schon ein paar leute für mich interessieren - oder ist das ein trugschluss und ich hab da was falsch verstanden? anhand von kriterien wie sie oberflächlicher nicht sein könnten werden urteile über personen gefällt und das eigene verhalten entsprechend orientiert. und das alles wegen einer webseite? aber... gab es nicht schon vorher webseiten?
.02 - myspace - einzigartig war gestern
zugegeben, es hat schon was für sich dass jeder hanswurst mit nur wenigen mausklicks seine eigene profil-webseite erstellen kann - aber genau hier liegt auch das größte problem an der sache: jeder hanswurst hat ein myspace-profil. besonders bands ist anzukreiden dass sie immer häufiger nurnoch über myspace online agieren, anstatt sich gedanken über einen individuellen webauftritt zu machen. obwohl jede ernstzunehmende band von sich behauptet künstlerisch tätig zu sein schwindet diese eigenschaft wenn es um den internetauftritt geht - auch große acts verweisen mit vorliebe auf ihre myspace-präsenz.oh, ich vergaß: mit einem hintergrundbild und diversen farbcodes glaubt ja jeder er habe bereits eine individuelle seite. so individuell wie es die profil-generatoren eben erlauben. aber so kommt zusammen was zusammen gehört: der hanswurst kann seine eigene webseite genau wie die seiner lieblingsband gestalten, diese kann sich als künstler verstehen und ein schickes hintergrundbild raufladen, zusammen mit ein paar songs die dann wiederum im player des nächstbesten hanswursten platz finden. ob der sich dann auch künstler nennen darf?
.03 - myspace: wen interessiert schon das web?
zugegeben, eine webseite zu erstellen bedarf, wenn es ein eye-catcher sein soll der zu 99% mit einem bookmark endet, eine gewisse übung. bei myspace geht das alles auch ohne - nur: wie? seit dem launchtermin der community wurde das gerüst, das hinter der an sich sogar nichtmal so schlechten idee steckt, nichtmehr wesentlich erneuert. und das soll nicht bedeuten dass die myspace-technik irgendwann mal veraltet sein wird, das bedeutet: sie war es schon von anfang an. webstandards scheinen dem konzern eben so fremd zu sein wie benutzerfreundliche oberflächen, aber man ignoriert sowas gerne und fügt noch eine weitere werbefläche hinzu. solange der rubel rollt gibt es keinen grund für die entwickler auch nur einen finger krumm zu machen - dass mit dieser haltung jede diskussion über das web und seine technische fortentwicklung im keim erstickt wird interessiert niemanden. wenn ich, als gelernter schlosser und hobbycoder, einige nicht-ganz-saubere webauftritte gestalte ist das mein bier und die angelegenheit einiger weniger user. wenn jedoch 180 millionen benutzer vor den kopf gestoßen werden ist das, selbst wenn diese das nicht wahrnehmen weil sie es nicht besser wissen, verantwortungslos.dazu noch eine kleine bemerkung: normalerweise sind webseiten in mehrere kategorien unterteilt - bei myspace hat das aber alles platz auf einer: fotos, videos, beiträge, kommentare, links und so weiter. das ist natürlich praktisch, vorausgesetzt man scrollt gerne...
.04 - myspace: zielpublikum
hat sich schonmal jemand gedanken darüber gemacht warum myspace so einen unglaublich hohen marktwert hat? glaubt ihr tatsächlich es läge an den tollen fotos auf euerer seite, eueren kommentaren oder euerer sympathischen art? ihr naiven trottel! mit 180 millionen einträgen dürfte die myspace-datenbank mit zu den wertvollsten im onlinesektor gehören. ihr seid die zielgruppe, ihr bekommt maßgeschneiderte werbung, attraktive angebote nur für euch - und all das nur weil ihr euren namen und eine mailadresse hinterlegt habt. zusammen mit eueren weiteren angaben stellt ihr einen katalog für marktforscher und trendwatcher dar, der nicht nur einmal in falsche hände gelangt ist, wie diverse erfolgreiche angriffe auf die sensiblen benutzerdaten beweisen. jede datensammlung dieser größenordnung ist mit äusserster vorsicht zu genießen, ob es um myspace, euere schuhgröße oder angaben aus dem privatesten lebensbereich geht. aber ich glaube darüber hat sich niemand von euch gedanken gemacht. ich glaube es ist euch egal. ihr werdet ja erst dann wach wenn ein derart machtvolles instrument mißbräuchlich verwendet wurde - und dann heißt es wieder "hätten wir bloß..."dabei will ich es einmal belassen, die einzelnen punkte könnte man natürlich problemlos weiter ausführen und nach ein wenig recherche sogar noch weitere finden. allerdings sollte das reichen um meinen standpunkt zu erklären, um nahezulegen warum ich zwar die idee von myspace, nicht aber die umsetzung mag - und vielleicht regt es dein ein oder anderen ja zum nachdenken an...

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