8.11.2007 | 21:12

schweden, stockholm, gällnö.

schweden. nicht im traum habe ich daran gedacht je im norden urlaub zu machen, aber es kommt ja immer anders als man denkt. hier also nun ein reisebericht, garniert mit ein paar bildern - und ich leg noch ein paar fotos zum download obendrauf.


how to: fly. ich bin noch nie so wirklich geflogen und ich war auch noch nie so wirklich im urlaub. also, wenn man den rundflug überm heimatdorf und die familienfahrten an die adria mal weglässt. entsprechend nervös war ich auch, versteht sich von selbst dass ich schon drei stunden vor abflug im wartebereich saß. flughafenfeeling ist grandios. man fliegt schließlich irgendwo hin, schon allein diese tatsache steigert die wichtigkeit aller anwesenden personen spürbar. schlimm wird das wenn man so wie ich auf billigflüge ausweicht und dann morgens um sieben der einzige ohne anzug im flugzeug ist.


flughäfen - heimat von menschenmassen. meistens jedenfalls.

auch ein billigflug-manko: umsteigen und stundenlanges warten, in meinem fall in berlin. ansonsten kann ich das aber nur empfehlen und ich würd auch jederzeit wieder bei air-berlin buchen, muss auch mal gesagt werden. fliegen ist wirklich großartig. ich liebe es, jedenfalls die starts und landungen. es ist unvergleichlich wenn der planet immer kleiner wird und man erahnen kann wie winzig man eigentlich ist. noch nie habe ich mich so bedeutungslos gefühlt wie beim durchbrechen der wolkendecke - ganz im ernst, ein unglaublich gutes gefühl dass ich so schnell nicht vergessen werde.

nach einem halben tag rumsitzen bin ich dann am flughafen arlanda angekommen. ich hab die nacht zuvor durchgemacht, war also entsprechend am ende. vom flughafen dauert es nochmal eine stunde bis in die stadt, mein plan für den ersten tag: schlafen. hab ich dann auch gemacht.


stockholm. großstadt, eben...

die nächsten zwei tage verbrachte ich in stockholm. ich wurde den leuten, mit denen ich das wochenende verbringen würde, vorgestellt. bei dieser gelegenheit hab ich dann auch tatsächlich elch gegessen. aber auch nur weil ich weder salat noch karottensuppe wollte. schmeckt jedenfalls ganz gut, halt nach wildgericht. für sightseeing war keine zeit, aber nach sehenswürdigkeiten und stadtführung war mir eh nicht zumute. dafür war ich einkaufen, in gefühlten 50 h&m-fillialen, die es dort an jeder straßenecke - und auch zwischen ihnen - gibt. so teuer ist stockholm nichtmal, wenn man diverse luxusartikel mal aussen vor lässt. das strikte rauchverbot ist - als nichtraucher - eine wirklich hervorragende idee, und ich freu mich schon darauf wenn das hierzulande umgesetzt wird. auch wenn ich mit allen rauchern mitfühlen kann: das hat was, nirgends von beißendem qualm belästigt zu werden. wie schön das sein kann weiß ich auch erst jetzt, nachdem ich das erlebt habe. ansonsten will in der millionenstadt nicht so wirklich urlaubsstimmung aufkommen: es ist eben eine großstadt wie jede andere auch. wäre da nicht die natürliche gegebenheit dass stockholm zu großen teilen auf fels gebaut ist könnte man es leicht mit vermutlich jeder anderen millionenstadt der erde verwechseln. sämtliche nationen scheinen vertreten zu sein, man kennt die ladenketten und versteht keine sau. also quasi wie in münchen.


große stadt - viele lichter. das muss so.

eins ist mir noch besonders aufgefallen: scheinbar jeder in schweden ist sehr auf sein äusseres und sein auftreten bedacht. dort gibt es zwar auch alle arten von leuten, die fertigen und die styler, aber selbst jemand im jogginganzug wirkt dort deutlich gepflegter als das hierzulande der fall wäre. es ist mir ausserdem nicht gelungen mehr als fünf dicke, richtig dicke menschen zu sichten. da fühlt man sich dann als deutscher schmutzig und schlecht, kein scheiss. wo sich beim örtlichen supermarkt ein modegeschäft namens "big & chic" angesiedelt hat sieht man in schweden nur durchgestylte menschen und model-maße. nicht übertrieben, nicht aufdringlich, nicht aufgesetzt - und genau das ist das faszinierende daran. und, auch witzig: die haben da deutlich männermangel. wenn auf jeden kerl den man sieht etwa vier oder fünf frauen kommen, dann stimmt da was nicht...

von samstag bis montag war ich dann fern jeder zivilisation. glückliche umstände sorgten dafür dass ich mit ner handvoll leute ein wochenende auf den schwedischen schären verbringen konnte - in einem ferienhaus, quasi für lau. zuerst dachte ich an ein kleines eiland, wo man rund ums haus das meer sehen kann. dann wurde mir klar dass das nur ne träumerei sein kann und dachte an eine größere insel, womöglich mit dörfchen drauf. beides war falsch: wer glaubt am arsch der welt zu leben, der war noch nicht auf den schären. aber das kann auch durchaus positiv gemeint sein! ich würde nie dort leben wollen, aber als urlaubsziel: traumhaft! "gällnö" [sprich: "jöllnah"] hieß die insel, geschätzte anzahl von rindern: 50, geschätzte anzahl von einwohnern: 20. mehrere kilometer lang und breit, alles in allem mittlere größe. übrigens: nichtmal die schweden selbst wissen genau wieviele inseln sich vor der küste befinden. die angaben vor ort schwankten zwischen 12.000 und 24.000 - vermutlich haben auch einfach alle was besseres zu tun als nachzuzählen.

von stockholm aus ist man eine halbe stunde mit dem bus und weitere 10 minuten mit der fähre unterwegs um nach gällnö zu kommen. die kosten dafür sind verschwindend gering, beides zusammen incl. rückfahrt dürfte etwa bei 10€ liegen. von der anlegestelle aus führt eine art hauptverkehrsstraße im zickzack über die ganze insel: ein etwa zwei meter breiter geschotterter weg. viele felsen und erhebungen sorgen dafür dass es spannend bleibt - die einzigen motorisierten gefährte die ich auf der insel gesehen habe waren umgebaute mofas mit ladefläche, quads und trekker, zum bestellen der felder. einige wenige leute scheinen das ganze jahr auf der insel zu verweilen, hauptsächlich dürfte es sich bei den spärlichen gebäuden jedoch um ferienwohnungen handeln. dort wird das wasser dann über den winter abgedreht und man überlässt die insel der natur. genau so sieht das dann auch aus, wenn nur schmale trampelpfade zu den häusern führen. in ufernähe findet man auch noch die meisten ansiedlungen, also alle paar hundert meter mal ein gebäude. auf einer erkundungstour quer über die insel sind wir dann aber auch ewigkeiten gelaufen ohne auch nur ein einziges lebenszeichen zu finden. nach stundenlangem fußmarsch und durchnässten schuhen haben wir dann gottseidank jemanden getroffen, den man nach dem weg fragen konnte. wir wurden zurückgeschickt, denn die anderen, womöglich auch kürzeren wege, wären nichts für uns. nicht ohne karte und kompass. ich glaube wir wären auch nichtmehr am leben, wären wir auf eigene faust weiter durch die wälder gerannt...


stilecht: ferienhaus samt plumpsklo.

das wochenende hatte generell einen leichten horror-flair: eine gruppe junger menschen, die sich allesamt kaum kennen, verbringt ein wochenende auf einer beinahe verlassenen insel, irgendwo vor der küste schwedens - wer denkt da nicht automatisch szenarien für einen film mit massenmörder und viel blut? wir habens jedenfalls überlebt. gut sogar - denn die organisatorin des ganzen hatte so einige gesellschaftsspiele in petto, etwas alkohol hatten wir ja auch dabei und not macht erfinderisch - langweilig wars jedenfalls nicht. herrliche natur und das meer vor der haustür, mitsamt sandstrand und bootssteg - was will man eigentlich mehr? gut, vielleicht 20 bis 30 grad celsius. ich kenne die sogenannte "oberpfälzer seenlandschaft" ziemlich gut und war auch schonmal am meer - aber so klares wasser wie dort am strand hab ich noch nirgends gesehen. und, auch etwas unbeschreibliches: stille. nein wirklich, kein witz! wenn man da mal mitten im wald steht und gerade mal nicht der wind durch die blätter streift hört man halt wirklich nichts! garnichts! also: null! klar, es gibt ja auch weit und breit nichts was ein geräusch verursachen könnte. sicher, da glaubt man bei uns wärs draussen im wald, oder nachts, auch ruhig. ich weiß jetzt aber welchem lärm wir ausgesetzt sind, und das 24/7. also, wer mal richtig abschalten will: gällnö.

achja, eins muss ich vielleicht doch bemängeln: die musik. ich mag ja rock-oldies, ich bin mit der scheisse großgeworden. aber echt, nach einem wochenende mit abba, den bee-gees und dem grease-soundtrack ist man echt froh wieder neumodische beats zu hören.

die letzten eineinhalb tage in schweden hab ich dann wieder in stockholm verbracht, und da fällt mir noch was ganz wichtiges ein: zeitungen und zeitschriften. die sind standard und so ziemlich überall gratis erhältlich. also, nicht jede zeitung, und auch nicht überall zum mitnehmen. aber vor der u-bahn steht eigentlich immer jemand der tageszeitungen verteilt und im dönerladen um die ecke hat man ein lektüreangebot wie man es hier nur von wartezimmern kennt, inklusive englischsprachige next-gen-konsolenmagazine. das is einfach nurnoch geil.

ich könnt noch tausend andere kleinigkeiten erzählen, aber ich will nur noch eine handvoll tips dalassen, sonst artet das noch aus:

  • bring alk mit. für dich oder für freunde und bekannte, notfalls zum verschenken. bring alk mit, es ist reichlich erlaubt und du kannst dir schwedischen alk nicht leisten. wirklich nicht.
  • versuch dich nie in schwedischer aussprache. never ever. du kannst es nicht, wirst es ohne mehrwöchigen intensivkurs auch nicht können, also lass es.
  • beim besuch von schwedischen inseln: landkarte besorgen, zeit im auge behalten und ggf. taschenlampen und kompass einpacken. kein scherz.
  • mach bilder von einem wirklich großartigen spielplatz für streetart und verwandte künste. hab ich vergessen, und da gabs echt einige sehr geile motive, in stockholm...

über studentenbuden, komische leute am flughafen, leckere döner, zutrauliche rehe, fette vögel, einen einzigen penner, den stockholmer lidl, die "klar"-taste und tausend andere kleinigkeiten schreib ich jetzt nichts mehr, das hier ist sowieso schon viel zu lang. hat jedenfalls (bis auf die ganz große scheisse) gut getan, war klasse - wars wert.


fotos verschiedener qualität vom urlaub - hier downloaden


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