29.10.2007 | 13:47
kafkas rum diary
es geht weder um den prager schriftsteller noch um thompsons roman. es geht um ein weblog, um jemanden der in bester gonzo-manier dinge ins internet hineinschreibt - und das mehr als gelungen.
für mich ist die kunst des schreibens eine gabe, mit der nicht jeder gesegnet ist. die meisten menschen reihen nur buchstaben aneinander um sich auszudrücken. wenn jedoch texte in druckreifer form ein genuss für auge und verstand sind, dann ist jemand am werk der schreiben kann. das gelingt selbst den erfahrensten publizisten nicht immer, hängt aber natürlich auch von den erwartungen des lesers ab.
einer, der mit nur wenigen sätzen ein unglaubliches "whow"-gefühl bei mir ausgelöst hat ist der verfasser des blogs mit dem titel "the rum diary", der unter dem pseudonym "kafka" über sein leben, seine sicht der dinge, seinen alltag - und seinen drogenkonsum schreibt. letzteres zwingt ihn in die anonymität, ich hoffe sehr dass er dadurch unbehelligt weiterschreiben kann.
was ist so großartig an den texten eines jungen autors, der allem anschein nach irgendwann verpasst hat das geschöpf einer normalisierten gesellschaft zu werden? nun: genau das. sein standpunkt, sein blickwinkel auf die großen und kleinen dinge entspricht sicher nicht dem was eltern ihren kindern erzählen, oder dem was das gesetz uns vorgibt. aber es ist meiner meinung nach die ehrlichste und aufrichtigste art durchs leben zu wandeln, auch wenn das oft nicht der bequemste weg ist.
in diesem sinn: danke, unbekannter autor, für ein paar minuten auszeit im kopf, für ein paar minuten heile welt, für ein paar minuten des gefühls nicht der letzte, einzige andersdenker zu sein.


Trackback für spezifische URI dieses Eintrags