9.03.2006 | 10:22
killerspiele
ja. nachdem mohammed mittlerweile wieder völlig aus den schlagzeilen verschwunden ist, die vogelgrippe bis dato doch noch nicht zur ausrottung der menschheit geführt hat und sich selbst das schneegeprägte chaos in münchen wieder gelegt hat braucht man selbstverständlich irgendetwas anderes das man diskutieren kann. da bieten sich doch glatt die "killerspiele" an - jedenfalls haben sich das wohl die innenminister der cdu gedacht.
nachdem die grünen ende januar verdeutlicht
haben dass sie nichts von einem verbot derartiger spiele halten würden,
da dies ein völlig unbrauchbarer weg sei dem problem gewalt unter
jungen menschen zu begegnen, haben sich die cdu-minister nun gemeinsam
für ein verbot der sogenannten "killerspiele" ausgesprochen. was zu
erwarten war...
ich persönlich krieg ja schon beim wort "killerspiel" die krätze, mal ganz davon abgesehen dass hier wieder leute entscheiden die sich mit sehr hoher warscheinlichkeit keine fünf minuten mit auch nur einem einzigen dieser spiele befasst haben. keine ahnung haben, aber maul aufreissen - könnte man ganz dreist behaupten. immerhin, das geforderte verbot soll nur für minderjährige gelten, strengere spielebewertungen und bessere kontrollen beim verkauf sollen dafür sorgen dass jugendliche keinen zugang mehr zu diesen "gewaltfördernden spielen" haben. auch online-gaming soll schärfer überwacht werden.
liebe minister. ich kann wirklich nachvollziehen dass das thema gewalt unter jugendlichen ein ernstzunehmendes problem ist. ich verstehe auch dass man nach möglichkeit dinge unternehmen sollte um dieser gewalt vorzubeugen. aber bitte: sinnvoll.
es wäre auch nicht viel abwegiger hier zum x-ten mal "marilyn manson" die schuld zu geben. der kann allerdings ebensowenig für das fehlverhalten einzelner jugendlicher wie besagte spiele.
das verhalten von kindern und jugendlichen wird, und das ist nun wirklich kein geheimnis, schon von klein auf beeinflusst. in erster linie durch die familie. die eltern. aber auch durch die klassenkameraden, durch freunde und die clique. durch lehrer und durch allerhand andere faktoren. wertevermittlung ist keine angelegenheit von geräten oder maschinen, das ist vielmehr den mitmenschen überlassen. sicher, in einigen fällen sind es unter anderem vielleicht auch brutale spiele, welche kids nachhaltig negativ beeinflussen. aber dabei ist eben sehr wichtig: unter anderem. und ich finde es ist sehr feige und vor allem verantwortungslos und blind sich einen dieser vielen faktoren herauszupicken und verantwortlich zu machen: es entspricht weder der realität noch ist damit irgendjemandem geholfen.
der durchschnitts-jugendliche, wie er wohl der betroffenen "zielgruppe" entspricht, hat im regelfall genug ahnung um sich jedes beliebige spiel auf einem der vielen wege via internet zu besorgen - und dass man sich in sachen "onlinerecht" und "p2p" sowieso nicht zu helfen weiß wird uns ja immer wieder aufs neue bestätigt.
ein verbot für derartige spiele wird also schlimmstenfalls einen kleinen, einen sehr sehr kleinen teil der hobby-gamer treffen - und eine große, breite masse von spieleliebhabern nur noch mehr verärgern.
wenn ich zurückdenke war eines meiner ersten pc-spiele "wolfenstein 3d" - damals der egoshooter, der sogar schon ab den "286er-prozzesoren" problemlos lief. aufgrund der verwendung von vielen symbolen des dritten reichs war das spiel selbstverständlich indiziert, verkauf und vertrieb wurden verboten, es kam zu beschlagnahmungen.
obwohl ich heimlich viele nächte damit verbracht habe mit pistole, messer und mp reihenweise gegner abzuschlachten, durch hakenkreuz-geprägte gänge zu laufen und mich bei jedem blutspritzer auf dem levelboden gefreut habe bin ich heute weder gewalttätig noch rechtsradikal, weder pervers noch verhaltensgestört. vielleicht mit ausnahme der tatsache dass ich auch heute noch gerne spielfiguren durch die immer abenteuerlichen level hetze um mit einer vielzahl von vernichtenden waffen chaos und zerstörung zu verbreiten. wolfenstein ist lange her, und die spieleindustrie hat reagiert. shooter und gewaltspiele sind gängige freizeitbeschäftigungen geworden. für jedermann. immer komplexer werden die anforderungen an die spieler, immer mehr wird der technik abverlangt, um spielszenen noch realistischer, noch detailreicher - und eben auch noch blutiger erscheinen zu lassen.
dass gefällt dem spielerherz, aber dem deutschen staat noch lange nicht - weswegen viele spiele hierzulande nie erhältlich sein werden, und selbst die verfügbaren "gewaltspiele" werden aufs äusserste zensiert, kastriert. als gewaltverhindernde, jugendschützende maßnahme. erfolglos.
denn
jedermann kann sich nicht nur illegal die gewünschten spiele beschaffen
oder mittels mods und hacks die zensur überbrücken, auch das
europäische ausland liefert nur zu gerne die gewünschten titel in den
heimischen briefkasten. unzensiert.
man könnte also sagen: bereits die zensur ist gescheitert, im
wesentlichen ist es nur etwas umständlicher die gewünschte ware zu
erhalten - und die beschaffung erfolgt leider auf wegen die keinen
unterschied zwischen jugendlichen und erwachsenen machen.
noch strengere bewertungen, noch bessere kontrollen - ob das dann der richtige weg ist?
bleibt noch viel spielraum sich selbst ein paar gedanken dazu zu machen, ich möchte hier nurnoch meine persönlichen folgerungen auflisten:
a) brutale spiele sind keinesfalls alleine schuldig für gewalt bei jugendlichen und somit ist es absolut unsinnig sie als einzigen übeltäter "bestrafen" zu wollen.
b) kontrollen und verbote werden, wie in nahezu jedem anderen fall, nichts an der situation ändern. daraus folgt:
c) jugendliche werden nach wie vor zugang zu "gewaltverherrlichenden" spielen haben.
d) die einstufungen "ab 18" oder "keine jugendfreigabe" wären, wie bisher, ein ausreichendes mittel um zu extreme spiele vor jugendlichen fernzuhalten - wenn sich jeder gewissenhaft danach richten würde.
e) das wichtigste zuletzt: wenn den jugendlichen frühzeitig moralische grenzen aufgezeigt werden, wenn sie normale zwischenmenschliche erfahrungen sammeln, werden sie auch mit gewalt umzugehen lernen - dafür ist nahezu jeder einzelne in diesem land verantwortlich. und keine kleine runde scheibe in einer hülle.
würde verantwortungsbewusster mit den uns zur verfügung stehenden mitteln umgegangen werden, würden wir uns intensiver um uns selbst und das zwischenmenschliche kümmern, könnten auch die "brutalsten" videospiele hierzulande wieder das werden was sie usrprünglich waren: zeitvertreib mit nervenkitzel und spannung, ohne bezug zum realen leben.

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