16.01.2008 | 22:44
work suxx
mann, was für ein tag. heute hab ich zum ersten mal ein schlechtes gewissen, wegen meines verhaltens in der arbeit...
gleich zu schichtbeginn sind meine beiden direkten vorgesetzten zu mir und meinen kollegen gekommen - weil wir so scheisseviel zu tun haben und das nicht annähernd termingerecht fertig kriegen. also erging folgender beschluss: wir, also meine kollegen und ich, vergessen für die nächsten monate erstmal die büroarbeit und konzentrieren uns auf die fertigung. auch unsere älteste, schlechteste maschine kommt wieder zum einsatz. und wenn alles nichts hilft sind eben nachtschichten angesagt.
und dann? dann bin ich mir mal wieder selber im weg gestanden. ich kann einfach nicht mit autoritäten reden. ob das uniformierte polizisten oder eben vorgesetzte sind, ich kann nicht mit solchen leuten reden. meine stimme war zittrig, mein ton motzig, ich war sauer. nicht zu unrecht, aber es hilft nichts in solchen situationen den kopf zu verlieren.
warum ich sauer war? oh, das hat gründe. zum beispiel weil wir nur deshalb so viel arbeit haben weil jene vorgesetzten bei der arbeitsplanung wohl etwas mist gemacht haben. wir haben nunmal nur kapazitäten für 120 - 150 fertigungs-stunden, pro woche - und das ist bereits hoch angesetzt. selbst wenn wir dann noch am wochenende arbeiten schaffen wir keine 200, wie es uns aufgetragen wurde. das geht schlicht und einfach nicht.
es ist dann auch nicht unbedingt hilfreich wenn wir zwischendurch, quasi "nebenbei", noch einige tage für die arbeit von anderen abteilungen verschwenden, was leider der fall war. und da ein sehr hohes tier in der firma verabschiedet wird fertigen wir - selbstverständlich "nebenbei" - auch dessen abschiedsgeschenk: ein schachbrett aus edelstahl und bronze.
ich wär auch nicht ganz so wütend wenn ich nicht das gefühl hätte von jedem hier im stich gelassen zu werden. unsere lagerbestände waren fast drei monate lang erschöpft, wir hatten bis vorgestern kein material mehr, aus dem man etwas hätte fertigen können. null, nada, niente. wie wir trotzdem weitermachen konnten? ausgiebiges suchen in dunklen ecken und verstaubten kisten. aber das hat niemanden interessiert, sowas wird totgeschwiegen.
genau wie die direkten arbeitsbedingungen. sämtliche fertigungsmaschinen benötigen kühlmittel, mehrere hundert liter davon. man kommt unweigerlich damit in berührung. man hat es an den händen, im gesicht - und wenns blöd läuft auf dem kopf, im mund oder in den augen. dieses gemisch wird zwar permanent kontrolliert, eine überschreitung der grenzwerte stört jedoch niemanden. die nitritwerte sind doppelt so hoch, die nitratwerte fünfmal so hoch wie erlaubt. vom bakterienbefall des kühlmittels reden wir lieber nicht, der überschreitet die grenzwerte um das tausendfache. kein scheiss.
vielleicht bin ich ja deswegen sauer oder wütend. vielleicht auch ein wenig wegen dieser lampe, die immernoch neben mir liegt. vielleicht auch ein wenig wegen der mentalität meiner vorgesetzten, die sich wie immer aus der sache winden und die ganze angelegenheit einfach auf uns abwälzen.
denn es liegt jetzt an uns, wir müssen uns - wie so oft - irgendetwas einfallen lassen um so schnell wie möglich unsere aufträge abzuarbeiten. wir müssen unsere arbeit, unsere kapazitäten und uns selbst irgendwie so zurechtbiegen dass es am ende für jeden passt. wie wir das machen dürfen wir selbst entscheiden, ich vermute mein chef glaubt sogar dass er uns damit etwas gutes tut.
mann, was für ein tag...

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