7.02.2008 | 07:32

xpider

na wenigstens auf eines ist noch verlass: wenn sich irgendjemand in der politik für die gewerbetreibenden interessiert, dann die fdp. die haben mal ne anfrage bezüglich einer etwas anderen "online-durchsuchung" gestellt - und eine antwort bekommen.

die finanzämter durchforsten etwa 100.000 webseiten täglich, auf der suche nach steuerhinterziehern. dabei setzen sie auf eine "xpider" genannte software, die ursprünglich mal für etwas ganz anderes gedacht war, auf dem markt für jedermann erhältlich ist - und jetzt eben auch von den behörden genutzt wird. die regierung kommentiert das tool so:

Wie die Regierung weiter mitteilte, kann Xpider automatisch Internetseiten identifizieren, „die auf unternehmerische Tätigkeit schließen lassen“. Deren Erkennung und Überprüfung erfolge anhand einer „lernfähigen Wissensmanagementkomponente“. Darüber hinaus sei das System in der Lage, Angebote und Verkäufe aus Online-Verkaufs- und -Versteigerungsplattformen „anbieterbezogen zu aggregieren“, also zusammenzuführen.

soso. "lernfähige wissensmanagementkomponente". klar. und die schnüffler wissen sicher auch ganz genau was das ist und wie das funktioniert. wenn ihr mich fragt: kompletter bullshit! soll ich ernsthaft glauben dass kompetente, web-erfahrene fachleute ausgerechnet in den finanzämtern sitzen, auf der suche nach steuerhinterziehern? soll ich glauben die hätten mehr peil als der rest unserer technikbegabten schlipsträger, die sich morgens erstmal das internet ausdrucken lassen und angestellte haben, die "das mit dem internet" für sie bedienen? na logisch, alles was ihr meint. aber hey, das betrifft ja nur die gewerbetreibenden:

Eine Einstufung als „verdächtiger Profikäufer“ durch das Suchprogramm sei dagegen ausgeschlossen, versichert die Regierung

sowas beruhigt natürlich ungemein. alles ganz verlässlich, irrtümer ausgeschlossen, es trifft ja auch wirklich - ehrlich! - nur die bösen steuerhinterzieher, jeder ehrbare geschäftsmann wird niemals, keinesfalls, ungerechterweise erfasst oder gar von den finanzämtern belästigt werden.

Durch die schnelle Lernfähigkeit des Web-Crawlers wird Xpider während der Suche immer klüger, so dass er in Kürze mehr über den Online-Händler weiß, als diesem vielleicht lieb ist

also ich kanns ja schon irgendwie verstehen. unternehmen sind schnüffelgeil wie nie, unsere regierung würde am liebsten auch jeden bürger komplett überwachen und aushorchen - da muss der fiskus natürlich irgendwie nachziehen, klar...

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