11.02.2008 | 05:21

waking life

seit jahren hat sich ein kleiner, gelber notizzettel erfolgreich vor der papiertonne gerettet. während viele seiner nachfolger und sämtliche vorgänger längst wieder verschwanden lag er selbst nach einem umzug noch auf meinem schreibtisch, mit ein paar schludrig notierten wörtern bekritzelt:

philosophisch. erhellend. anspruchsvoll.
waking life
2001

wenn ich mich recht erinnere war das ein zitat, eine kleine nachricht die mir via irc übermittelt wurde, von jemandem der sich meines respekts vor seinen handlungen und meiner achtung vor seinem geschmack gewiss sein kann, selbst wenn der kontakt längst verstummt ist und man auch zuvor nicht mehr war als eine "wiederkehrende, gute unterhaltung".

"waking life". ich möchte den film so beschreiben: philosophisch. erhellend. anspruchsvoll.

ich kam in den genuss der englischen version, deren wortschatz, fachsimpeleien und auch sprachgeschwindigkeit mich erschaudern ließ. alles konnte ich nicht verstehen, für ein verständnis vom großen ganzen hat es jedoch gereicht. ja, es gibt eine deutsche fassung, aber angesichts der tragweite der dialoge, angesichts der tiefe der gedanken und der komplexität der zusammenhänge kann ich davon nur abraten. selbst wenn es die beste synchronasition des jahrhunderts wäre, sie würde dem film nur schwer gerecht werden, so vermute ich jedenfalls.

keine leichte kost also, nichts für die lockere runde und völlig verkehrt für einen unterhaltenden, angenehmen abend vor der mattscheibe. das ganze noch dazu gefilmt in verschobener optik, überlagert mit animation und effekten die ganz für sich selbst stehen. worum es geht? tja, schwer zu sagen. um das sein als solches, um die existenz selbst, in all ihren daseinsformen und dem versuch die potentiellen möglichkeiten zu verstehen. um träume und um die wachphasen des lebens, und die kunst sie zu unterscheiden - darum geht es. vielleicht. denn ich glaube die fragen, die der film aufwirft und die gedanken, die er denken lässt manifestieren sich in jedem unterschiedlich, in jedem ganz individuell. geboten werden reichlich spielraum und anregungen für interpretationen anstelle von lösungen und antworten.


They say that dreams are only real as long as they last.

Couldn't you say the same thing about life?


waking life. von richard linklater, dessen werke so vielseitig sind wie die einzelnen szenen in diesem film: "school of rock", "die bären sind los", aber auch "fast food nation" oder "a scanner darkly" sind ihm zuzuschreiben. doch das alles sind nur filme, ich werde das gefühl nicht los dass man 'waking life' schlecht als solchen bezeichnen kann. und das ist gut so.

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