4.04.2006 | 13:58

auf auf zur fröhlichen ausländerhatz

wir buchen - sie fluchen! wir organisieren ihren langzeiturlaub mit den freundlichen never-come-back-airlines.

fast könnte man schon schmunzeln - wenn das nicht ausgerechnet der bildschirmschoner-lauftext der "abschiebebehörde" wäre. diese lustig klingende instutition ist in der nicht weniger rassistisch klingenden "ausländerbehörde" untergebracht und macht ihrem namen alle ehre, wie man gestern im nachtprogramm des ndr sehen konnte.

.fall a
eine familie. ein ehepaar, zwei söhne, eine tochter. seit ewigkeiten in deutschland geduldet. geduldet, dass heißt: du wirst heute noch nicht abgeschoben. eine duldung erstreckt sich üblicherweise nur über einige wenige monate. einer der söhne hat nach 10 jahren seinen schulabschluss 'erduldet' und prompt drohte ihm seine abschiebung. nur ihm - ohne seine familie. der betroffene türmte und lebte lange zeit illegal und auf der flucht in hamburg. letztlich hatte die polizei ihn trotzdem gefasst und ihn in abschiebehaft gesteckt - dort wollte sich der junge mann das leben nehmen, was ihm nicht so ganz gelang. seitdem befindet er sich im wachkoma, er ist ein pflegefall.

und weil wir ein mitfühlendes land sind: nun droht der restlichen familie die abschiebung. ohne den schwerkranken sohn. zurück in das was noch scherzhaft als "heimatland" bezeichnet wird. die kinder sind gebürtige deutsche.

 

.fall b
ein jugendlicher/junger erwachsener kommt morgens zur ausweisebehörde. er lebt seit vielen jahren in der bundesrepublik und muss dort regelmäßig erscheinen - zur verlängerung seiner duldung. heute besteht der zuständige sachbearbeiter zunächst darauf dass er seine taschen leeren soll. dann wird der junge mann vom sachbearbeiter abgetastet und durchsucht. und dann erfährt er dass er abgeschoben wird. und zwar jetzt. seine mutter wird benachrichtigt, sie packt sachen und erscheint etwas aufgebracht bei der behörde. mit einer aufpasserin wird der junge mann in den bus richtung flughafen gesetzt. ein streik einer fluggesellschaft sorgt für verspätung, ein ausweichflug wird gebucht. wertvolle zeit, denn nur kurz später meldet sich der anwalt des unerwünschten landesbewohners und teilt diesem mit dass die abschiebung zunächst hinfällig ist. am nächsten rastplatz verschwindet die aufpasserin und der junge mann wartet auf jemanden der ihn abholt.

überglücklich und euphorisch vergisst er für einen moment dass ihm die selbe situation in nur wenigen wochen erneut bevorstehen könnte - und dass er nicht immer auf den erfolg seines anwalts hoffen kann.

 

. fall c
erneut eine familie. viele kinder. die älteren sind in so jungen jahren nach deutschland gekommen dass sie sich an nichts anderes mehr erinnern können. das jüngste trägt noch strampelanzüge und schläft in einer wiege. spätnachts klingelt es an der tür. der zuständige sachbeamte betritt mit verstärkung durch die polizei die wohnung. klare anweisungen werden diktiert: 30 minuten bleiben zum packen. dann gehts zum flughafen. der familienvater ist empört darüber dass es nicht möglich war ihm schon im vorfeld davon zu berichten. derartige nacht-und-nebel-abschiebungen werden aber nie angekündigt. auch wegen der aufkommenden panik bekommt der mann atemnot. da er bekannterweise an einem tumor im kehlkopf leidet wird einer tochter erlaubt den notarzt zu rufen.

polizei und sachbearbeiter sind sich einig: es geht darum festzustellen ob der mann in ein flugzeug steigen kann oder nicht - den tumor könne man schließlich auch im ausland behandeln.

 

manchmal schäme ich mich dafür hier zu leben. ist es vielleicht so dass dieses land schon lange tot ist und nur die leichenstarre noch nicht eingesetzt hat?

Trackbacks

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

noch Keine Trackbacks
Kommentare

Noch keine Kommentare
Kommentar schreiben




textformatierung:     *fett*     _unterstrichen_
BBCode erlaubt
CAPTCHA
bitte tragen sie hier die nebenstehende zeichenfolge ein: