plastickblog - Shallow & Profound - 2

Neuland 2.0

Fünf Jahre ist es her, dass Angela Merkel das Internet als Neuland bezeichnete.

Nun nennt sie es "noch nicht durchschrittenes Terrain". Der KI-Vorherrschaft steht nichts mehr im Weg!

No Brexit Voting

Gestern wurde eine erneute Abstimmung über den Brexit im britischen Parlament vertagt. Begründung: Bei einer Abstimmung wäre wohl die deutliche Mehrheit gegen den EU-Ausstieg.

...ja, äh... ne. Versteh ich nicht. Also die wollen schon irgendwie über den Brexit abstimmen - aber nur, wenn das Ergebnis vorhersehbar den Erwartungen entspricht? Klingt so als hätte sich Theresa May da ordentlich selbst in den Fuß geschossen.

 

Update:

Yep, das war ein Eigentor von Frau May. Aber das Brexit-Geplänkel geht sicher noch ne Weile weiter, die Realitätsverschiebungen sind da auch nicht weniger absurd als bei anderen Themen:

May: "Ein Deal mit der EU ist erreichbar."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: "Es gibt überhaupt keinen Raum für Neuverhandlungen."

Ja dann...

 

Update #2:

May hat es tatsächlich überlebt!

They call it a „honeypot“

Die Meinungen zur letzten Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" gehen weit auseinander - haben die doch tatsächlich einen Online-Pranger errichtet, um bei den Vorfällen in Chemnitz teilnehmende rechtsradikale zu enttarnen. Es wurde sogar Geld versprochen, wenn man Personen auf Fotos identifiziert und meldet.

Nun - Online-Pranger gehn halt mal garnicht. Und Denunzianten sind keine Bereicherung für die Gesellschaft. Entsprechende Reaktionen hat diese Aktion bei so ziemlich jedem ausgelöst, der davon etwas mitbekam.

...was aber, wenn der Gedanke dahinter ein ganz anderer war? Denn auf der Webseite zur Aktion (mittlerweile nicht mehr erreichbar, hier ein Spiegel-Artikel zur Sache) war nämlich zu lesen:

Danke, liebe Nazis

[...]

Wäre es möglich, das bereits gewonnene Wissen als Waffe einzusetzen, um mit Eurer Hilfe an den Rest zu kommen? Wir arbeiteten mit Experten der Bilderkennung, künstlichen Intelligenz und Algorithmik. Und wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion. Über die Suche habt Ihr uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten.

Tja, da fällt die Einschätzung dann nochmal etwas schwerer, oder? Coole Aktion? Oder deutlich übers Ziel hinausgeschossen? Ich denke, die Aktionen der ZPS sind dafür bekannt, dass sie gerne die geläufigen Grenzen durchbrechen. Auch juristisch ist die Sache sicher noch nicht restlos geklärt.

 

Was mir in diesem Kontext besonders auffällt:

Recherchen der TAZ haben ein Untergrund-Netzwerk offenbart, mit dem sich angeblich Soldaten, Reservisten, Beamte und Verfassungsschutz-Mitarbeiter mit rechtsradikalem Gedankengut auf den "Tag X" einstimmen, an welchem sie politische Gegner und Feinde inhaftieren und liquidieren wollen. Es sollen dort auch Listen mit ungewünschten Personen geführt werden.

Diese Erkenntnisse blieben in der Medienwelt allerdings weitestgehend ungeachtet.

Offline

Ich mag "offline" sehr. Das Wort, die Bedeutung, die Tragweite. Nicht-vernetzt-sein. Nicht auf etwas "online" angewiesen sein. Ist halt so 'ne Sache die ich mag.

Seoul, am vergangenen Samstag: Massiver Internetausfall in Seoul zeigt Risiken der Digitalisierung.

Ein Brand in einem unterirdischen Kabelkanal im Zentrum von Seoul hat massive Ausfälle beim Telecomkonzern KT verursacht und viele Nutzer weitgehend vom Internet abgeschnitten. [...]

Für die Menschen vor Ort hatte der Ausfall teilweise ernsthafte Konsequenzen [...]

Polizeinotruf in den Dienststellen vor Ort nicht funktionsfähig [...]

In Krankenhäusern im betroffenen Stadtviertel Seodaemun konnte Personal nicht kontaktiert werden [...]

Händler in dem betroffenen Areal konnten während des Ausfalls keine Kreditkartenzahlungen annehmen, Sicherheitssysteme wie Überwachungskameras oder Fingerabdrucksensoren funktionierten nicht. [...]

Navigations-Apps versagten den Dienst und Menschen mussten ihre Ziele selbst suchen [...]

"Es war wie eine moderne Dystopie", zitiert die Korea Times einen Betroffenen.

Der wohl passendste Kommentar dazu:

Die Geschehnisse am Samstag seien geradezu ein Paradebeispiel für die Risiken in einer digitalen Gesellschaft, die trotz aller Warnungen zu sehr auf zentralisierte Systeme setzt

...trotz aller Warnungen, steht da. Irgendwann kann man unsere Realität nicht mehr von den Sci-Fi-Dystopien auf der Leinwand unterscheiden - und dann will wieder niemand was davon gewusst haben oder daran schuld sein. Und, schon irgendwas "smartes" für Weihnachten gekauft?

More cash

Bei all den Problemen der Welt ist es doch sicher schön mal was positives zu hören, oder? Nun: Es gibt weltweit immer mehr Millardäre, deren Vermögen deutlich gewachsen ist.