plastickblog - Shallow & Profound - 2

80 years of identification

Am 22.07.1928 - also gestern vor 80 Jahren - wurde in Deutschland erstmals sowas wie ne Ausweispflicht eingeführt. Von jemandem, der am Aufbau des NS-Regimes maßgeblich beteiligt war: Wilhelm Frick. Martin Rath hat dazu etwas genauer recherchiert. Ob man sich die Kommentare unter dem Artikel noch antun muss könnt ihr euch selbst überlegen...

NSU

Etwa 18 Jahre nach den Morden, die dem NSU zugeschrieben werden, ist der Prozess der verbliebenen Schuldigen wohl beendet. Vorerst, denn die der rechtsradikalen Szene nahestehenden Anwälte der Verurteilten wollen selbstredend Revision einlegen.

Das einstweilige Urteil: Lebenslange Haft für Zschäpe, Freiheitsstrafen für die vier Mitbeschuldigten. Einer davon ist schon bald wieder auf freiem Fuß.

Nach etlichen Prozessjahren dürfte diese so schwerwiegende, tiefgreifende Sache wohl kaum noch von Bedeutung in der breiten Öffentlichkeit sein. Wer hat den Überblick behalten? Wer die Zusammenhänge verstanden? Für die Opfer der NSU dürfte selbst eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung nur wenig Gerechtigkeit vermitteln. Schließlich war es nicht zuletzt der Staatsapparat, die deutschen Behörden und Organe, die auf ganzer Linie versagten. Mutwillig? Wissentlich? Oder waren die vielen Pannen tatsächlich nur bedauerliche Missgeschicke und Zufälle?

Wir finanzieren nach wie vor V-Leute, die in genau diesen radikalen, extremen, gewalttätigen Millieus agieren. Wir machen einfach weiter damit, selbst wenn einer der größten Skandale in diesem Zusammenhang jetzt gerade mal so hinter uns liegt. Spuren wurden verwischt, falsche Verdächtigungen ausgesprochen, Akten verschwanden - von einer "lückenlosen Aufklärung" kann nicht ansatzweise die Rede sein. Wie tief müsste man dazu in die Staatsbehörden vordringen? Wir werden es nicht erfahren.

Neun Tote mit Migrationshintergrund sind in diesem Land einfach nicht ausreichend, um den Dingen tatsächlich auf den Grund gehen zu können. Ein "tolles" Signal, in diesen sowieso schon viel zu turbolenten Zeiten...

Poor Netflix

Armes Netflix. Die haben ihre Quartalszahlen veröffentlicht und stehen aktuell nicht so besonders gut da.

Netflix konnte allein im letzten Quartal weltweit über 4,4 Millionen neue Nutzer verbuchen. Letztes Jahr haben sie im gleichen Quartal einen Gewinn von 65,6 Millionen Dollar eingefahren, dieses Jahr konnte das auf 384,3 Millionen Dollar erhöht werden.

Aber trotz all dem verloren die Netflix-Aktien über 14 Prozent - denn die Prognosen der Analysten haben noch bessere Zahlen prophezeit. Diese Vorhersagen sind aber nicht eingetreten, daher nun die Negativ-Schlagzeilen über Netflix.

 

...und das ist leider symptomatisch für die Wirtschaft. Fragt mal die Betreiber von Snapchat, oder gibt es die mittlerweile gar nicht mehr?

Wollen wir irgendwann wieder damit aufhören, die Definition von "gut" und "schlecht" den Analysten zu überlassen? Oder machen wir da einfach weiter so, bis diese Art von Leistungsdruck endlich auch Kleinkinder in der Ganztagsbetreuung erreicht hat?

Blue Points

Ähm... diesen Fefe-Fund verlinke ich einfach mal unkommentiert. Lest selbst.

Focus Lifeline

Findet ihr es auch so spannend, dass der Fokus der Berichterstattung zum Flüchtlingsthema seit Tagen, wenn nicht Wochen auf dem Schiff "Lifeline" liegt, dass zunächst nirgends, nun aber doch endlich in Malta anlegen durfte? Dass da nun doch die 234 Passagiere gerettet werden konnten, sich der Kapitän aber nun vor Gericht verantworten muss und das Schiff aktuell als "Tatwerkzeug" beschlagnahmt werden soll?

Spannender finde ich eigentlich nur, dass wir die Flüchtlings-Route über das Mittelmeer schon seit über 25 Jahren beobachten, dass in den letzten zehn Jahren über zwei Millionen Menschen auf diesem Weg nach Europa gelangt sind, dass in den letzten acht Jahren über 18.000 Menschen im Mittelmeer verschwunden bzw. verstorben sind und dass weitaus mehr Flüchtlinge - man vermutet die dreifache Zahl - bereits auf dem Weg aus ihren Heimatländern zum Mittelmeer stirbt, die Küste also niemals erreicht.

Aber womöglich ist die Lifeline und ihr Schicksal einfach ein ganz besonders herausragendes Ereignis, dass man nun politisch und medial ausschlachten muss...