Freitag, 9. Dezember 2011 | 14:25
eGk
ich hab letztens ein schreiben bekommen in dem ich aufgefordert wurde meiner krankenkasse ein foto von mir zukommen zu lassen - vonwegen elektronischer Gesundheitskarte. mit frist und so, alles so gehalten als wär die aktion "alternativlos".
ich war jetzt die letzten tage verhältnismäßig oft bei verschiedenen ärzten, aber dass da irgendjemand ein problem mit meiner herkömmlichen versichertenkarte hätte wurde mir nicht mitgeteilt. von der notaufnahme bis zur apotheke - ich hab weder infomaterial noch werbung für einer anstehenden umstellung des kärtchens gefunden und nicht eine einzige person hat sich dazu in irgendeiner form geäussert. meine mutter arbeitet in einem krankenhaus, und nichtmal da wäre irgendwann mal von einer gesundheitskarte die rede gewesen.
die kritische diskussion um den neuen personalausweis ist noch nicht restlos verstummt und wenns ums errichten einer weiteren datensammlung geht, insbesondere wenn patientendaten gemeint sind, dann darf man doch mal vorbehalte haben.
die dame am anderen ende der info-hotline erklärt mir dass die krankenkassen zwangsweise 10% ihrer kunden noch in diesem jahr mit der neuen karte ausstatten müssen. bis ende 2012 wäre dann ein wechsel dann unumgänglich. und mit ausstellung der gesundheitskarte würde mein bisheriges kärtchen automatisch ungültig. dabei frag ich mich: wer zwingt denn eigentlich die krankenkassen zu diesen maßnahmen? warum weiß niemand ausser meiner krankenkasse was von den geplanten umstellungen? wenn meine alte karte automatisch ungültig ist und noch niemand was mit der gesundheitskarte anfangen kann - was tu ich dann beim arzt? letzteres wird mir erklärt: so ganz ungültig wird die alte karte irgendwie doch nicht, weil die ja der arzt braucht. erst wenn alle beteiligten neue geräte angeschafft haben kann ich dann die neue karte nutzen.
...also für mich klang die einführung von E10 deutlich einfacher und wesentlich durchdachter als dieses vorhaben hier. wiki weiß dazu auch was:
Eine europäische Normung einer tauglichen Lösung oder eine Übernahme einer tauglichen Lösung in Deutschland steht aus. Deutschland ist als eines der letzten Länder für eine durchgehende Lösung als Vorreiter für eine Normung nicht vorbereitet.(quelle)
und so richtig undurchsichtig wirds dann hierdurch:
Der 113. Deutsche Ärztetag beschloss am 14. Mai 2010 mit 105 zu 86 Stimmen, das Projekt Gesundheitskarte „in der weiterverfolgten Zielsetzung endgültig aufzugeben“. Als Begründung wurde wie seit Jahren vor allem die befürchtete zentrale Datenspeicherung, die Möglichkeit eines unbefugten Zugriffs auf sensible Patientendaten und die hohen Kosten des Projekts genannt.(quelle)
also mal zusammenfassend: die einführung der Gesundheitskarte wurde schon 2003 per gesetz beschlossen, seit 2006 sollte sie schon im umlauf sein - geklappt hat das ja schonmal nicht so recht. die ärzte wollen diese gesundheitskarte auch garnicht, wollten sie auch noch nie. und nach nur 5 minuten recherche stellt man fest dass auch viele der versicherten diese karte garnicht wollen.
gut, das klingt jetzt ziemlich negativ - natürlich lassen sich auf dem papier auch viele nützliche vorteile der neuen karte ablesen. aber weil ziemlich viele dinge ja nur zu unserem besten sind, die dann katastrophal nach hinten losgehn, mach ich mir da grad nicht viel draus.
fest steht: die basteln fleissig weiter an unserem maroden gesundheitssystem. ich erkenne da zwar sehr viele weitaus gravierendere punkte, bei denen man mal ordentlich nachbessern könnte, man kann aber auch beim versichertenkärtchen anfangen. nur dann muss ich sicher nicht dabei helfen die ersten schritte zu machen - die hotline-lady hat gemeint ich könne das schreiben getrost ignorieren, ich bekäme dann eben im laufe des nächsten jahres noch ein erinnerungsschreiben. ach und übrigens: ich muss das foto, für das es anders als beim personalausweis keine genaueren regelungen gibt, nicht unbedingt per post schicken - ich könnts auch online auf der webseite der krankenkasse raufladen. und sojemand will dir dann irgendwas vonwegen "sicherheit" erzählen. auch der CCC hat was dazu.
Mindestens 600 Millionen Euro kostete das Projekt bislang.(quelle)
Freitag, 12. August 2011 | 13:55
london riots
...here's a sad truth, expressed by a Londoner when asked by a television reporter: "Is rioting the correct way to express your discontent?""Yes," said the young man. "You wouldn't be talking to me now if we didn't riot, would you?"
The TV reporter from Britain's ITV had no response. So the young man pressed his advantage. "Two months ago we marched to Scotland Yard, more than 2,000 of us, all blacks, and it was peaceful and calm and you know what? Not a word in the press. Last night a bit of rioting and looting and look around you."
Eavesdropping from among the onlookers, I looked around. A dozen TV crews and newspaper reporters interviewing the young men everywhere.
well... brandschatzen ist jetzt nicht wirklich cool. klar. aber kann man es den menschen denn wirklich verübeln? irgendwann ist das maß einfach voll, für jeden. irgendwann kann man nicht noch mehr ertragen. und welche reaktion will man von vorwiegend jungen menschen ohne jede perspektive denn erwarten? eine offizielle anklageschrift? eine öffentliche anhörung nach der die entsprechenden führungspersönlichkeiten sich um einen tisch setzen und nachdenken? wake up, folks, das ist wunschdenken...
gehört auch noch zum thema: bei diesen aufständen wurde wohl ein polizist angeschossen, von einem dieser plünderer, hieß es, und die polizei hat den mann dann direkt erschossen. jetzt bin ich auch nicht wirklich willens jede derartige meldung sofort in frage zu stellen, kritisch ist zwar gut, aber es können doch einfach nicht alle nur bullshit erzählen. denkt man. der stand der untersuchung: der besagte kerl hatte zwar ne waffe - abgefeuert hat er sie aber allem anschein nach nicht, jedenfalls nicht auf diesen polizisten. die kugel, die sich dieser cop eingefangen hat, stammt aus einer MP5 seiner kollegen.
fefe hat dazu nen kommentar wie ich ihn nur zitieren kann:
In diesem Fall ist das rausgekommen, weil die Bevölkerung den Aufstand probt. Ich frage mich, wie viele andere Fälle es gibt, wo das nie jemand prüft. Denn die Stimme eines Polizisten zählt ja immer mehr als die Stimme eines Bürgers, erst Recht wenn der inzwischen tot ist. (Quelle)
und weils grad passt: die cops hierzulande müssen sich auch weiterhin nicht irgendwie namensschilder oder ähnliches anheften. in berlin schon, die jungs da haben da also scheinbar genug mist gebaut als dass man das dort noch verhindern könnte, aber bundesweit gibts sowas erstmal nicht. es kann also einfach nicht angehen dass der zivilist erfahren darf welcher uniformierte ihn verdroschen hat. ich hab noch diverse stimmen im gedächtnis die ebenfalls die polizeigewalt bemängeln - aber halt genau andersrum, die polizisten wären mehr und mehr ziel tätlicher angriffe.
man kann sich sicher in beide "lager" reindenken und da gibts sicher auch sehr viele gründe für und gegen was auch immer. fest steht nur: man fährt die sture schiene und jede kommunikation verläuft voreingenommen und widerwillig - da kann sich dann natürlich auch nichts ändern...
nachtrag zu den london riots:
mittlerweile hat es schnellverfahren, also auch verurteilungen am fließband gegeben. zwei personen wurden zu je vier jahren haft verurteilt, weil sie über facebook zum randalieren aufgerufen hatten. das interessante dabei: es kam nicht zu den angekündigten ausschreitungen. da war nix. bei einem der beiden fälle war ausser der polizei und dem anstifter niemand gekommen, der andere hat seinen aufruf nach kürzester zeit selbst wieder zurückgezogen. passiert ist garnichts, aber dennoch: vier jahre haft. this, sir, sind dann wohl die ersten "gedankenverbrecher".
Samstag, 30. Juli 2011 | 13:04
tv history
ich bin grad nur ein bisschen tv-sentimental, auch wenn dieses medium eigentlich nicht weiter erwähnenswert ist. gestern abend kamen zwei "best of" in der glotze, einmal das von ottis schlachthof - und danach das von herzblatt. und plötzlich sind sie alle wieder da: das familienduell, das glücksrad, herzblatt, hopp oder top, welches schweinderl hättens denn gern - und natürlich der zonk in tor drei.
tv-realität heute: asoziale menschen, quizshows, dummdreiste anrufgenerierende zuschauerfragen und kochen, kochen, kochen.
Das Fernsehen ist eine Einrichtung, die uns Filme, derentwegen wir nicht ins Kino gegangen sind, ins Haus bringt.
Robert Lembdke, Moderator von "Was bin ich?"
Montag, 11. Juli 2011 | 20:41
women
frauenfußball. fußball ist irgendwie immernoch ein buch mit sieben siegeln für mich - und frauen versteh ich auch nicht. sollte ich mich also wirklich äussern?
na jedenfalls: frauenfußball. ich hab die WM jetzt nicht wirklich aktiv mitverfolgt, aber so ganz kommt man schließlich auch nicht drumherum. vor allem was die bescheidene berichterstattung und den geradezu perversen gesellschaftlichen bruch mit der frauenwelt betrifft.
gut, als journalist konnte man den unzählbaren fettnäpfchen wohl kaum ausweichen. gleich ob männlein oder weiblein, es gab irgendwie kaum berichte die nicht irgendwie seltsam waren. erwähnt man das vermeintlich schwache geschlecht zu oft muss man sich der kritik stellen man bevormunde die frauen, womöglich noch weil man glaubte sie bräuchten das. geht man allerdings nur knapp und sachlich auf das event ein hat man die frauen am leder schon beinahe ausgegrenzt und dem ereignis nicht die notwendige beachtung geschenkt. ne, journalist ist da wirklich kein schöner job.
aber was mich wirklich an dieser frauen-fußballweltmeisterschaft nervt möchte ich in drei beispielen wiedergeben.
erstens: nach dem 0:1 gegen japan und dem ausscheiden des deutschen teams vernahm man im TV:
ist der hype um den frauenfußball damit zu ende?
frage: hat jemals irgendjemand etwas derartiges im bezug auf den männerfußball geäussert? natürlich nicht. es ist ja auch das normalste der welt jahrein jahraus, woche für woche, spieltag für spieltag die gänzlich uninteressanten mannschaftsbegegnungen der herren im sport-teil der nachrichten breitzutreten. kreisklasse bis nationalteam, irgendjemand hält immer seine fresse an irgendein mikrofon und gibt unsinn von sich. aber männer dürfen das. weil halt. aber die frauen... bei den frauen ist das alles ganz anders. da muss man sich jetzt schon fragen ob dieser hype dann auch mal wieder zu ende ist. welch hohn.
zweitens: es ist die weltmeisterschaft im frauenfußball. die mädels ham auch prächtig die werbetrommel gerührt, natürlich nur stümperhaft im vergleich zu ihren männlichen pendanten. und dann gibts da diese firma namens FERRERO die ihren produkten jetzt aktuell wieder fußball-abziehbildchen beilegt. und wenn man da jetzt mal kurz drüber nachdenkt... die aktuelle WM... die aufkleber... da ist es doch nur logisch dass ich jetzt gerade einen herrn "Ruud van Nistelrooy" in der hand halte. der spielt übrigens beim FC Malaga. naheliegend, nicht?
und zuletzt drittens: in einer der reportagen über den frauenkader wurde am wochenende auch erwähnt dass sich die mädels mit ihren werbeverträgen natürlich auch ein paar euronen nebenher dazuverdienen. bei einem verdienst von etwa viertausend euro brutto im monat (!) ist das dann wohl auch nur verständlich. viertausend brutto im monat. ich... bin fassungslos. und sauer. viertausend. natürlich gibts auch ausnahmen, aber die mehrheit verdient viertausend. in etwa. im monat. kurz gerechnet heißt das also: das, was ein herr schweinsteiger im monat bekommt, reicht völlig aus um eine komplette frauennationalmannschaft inklusive trainer und co. ein ganzes jahr lang zu finanzieren.
"gleichberechtigung" wird wohl demnächst aus wikipedia gelöscht - mangels relevanz...
Dienstag, 28. Juni 2011 | 21:06
analog
vor kurzem haben meine bessere hälfte und ich beschlossen mal alle erwähnenswerten "sachen die man mal machen kann" festzuhalten. auf der liste stehen so dinge wie caffees, restaurants, bars, freizeitparks, skate-strecken, badeseen und derlei zeugs.
mein erster gedanke dazu war: ich bau da ne web-app dafür. SQlite wollt ich eh mal ausprobieren und ich hab eh schon länger nix größeres mehr gemacht und überhaupt fand ich die idee auf anhieb richtig toll. endlich wieder was sinnvolles basteln.
mittlerweile haben wir eine art "app", die unsere ausflugsziele listet: ein buch.
ein ganz normales, liniertes buch. mit eingeklebten registern. und nem kugelschreiber dazu. nicht alphabetisch, aber mit system. ganz oldschool, ganz analog, quasi. und ich find das jetzt im nachhinein so unglaublich viel geiler als die ursprünglich geplante weboberfläche.
generell is das ne idee die man ruhig mal weitersagen kann - in unsrem buch stehn aktuell schon n paar seiten voll mit einträgen - und unsere gemeinsame freizeitgestaltung sorgt schon dafür dass da nach und nach noch einige einträge dazukommen werden :-)
