26.11.2008 | 12:26

jesus christ - in the name of the gun

ich weiß nicht so genau was das ist und worauf es hinausläuft, aber... ein webcomic? ein webcomic mit dem titel "jesus christ - in the name of the gun"?

ein webcomic, in dem christus der erlöser flucht, sich über den besuch von daddy und dessen nachlässigkeit beschwert und sich morgens erstmal ne kippe ansteckt? das kann nur geil sein! weitere erklärungen erübrigen sich wohl, das cover spricht bände:



dear eric peterson, ethan nicolle: thank you! the cover made my day, i hope i like the story, too. thumbs up!

11.10.2008 | 19:55

a beautiful revolution

andre jordan ist recht neu in meinem feedreader (lies: "ich les seine neuheiten regelmäßig") und ein kleines genie.

egal ob bilder oder texte - er hat ein gutes händchen für beides und nicht umsonst bereits ein buch draussen und einen kleinen shop. noch nie war traurig so lustig, oder auch andersrum.

ihr könnt/sollt euch das also mal ansehen und ich mach das später noch in die links. abgemacht?

7.10.2008 | 10:05

lem // asimov

stanislaw lem: die lymphatersche formel
die recht kurze geschichte ist nicht nur in den interessantesten mir bekannten monolog verpackt, sie fesselt auch durch ihre völlig simple und trotzdem tiefgreifende geschichte. ein uns unbekannter herr tritt auf uns zu und beginnt unaufgefordert fragen zu stellen. wir werden unweigerlich in den lauf der geschichte eingeknüpft und als könne die romanfigur unser stirnrunzeln sehen beginnt sie mit erklärungen.

wir erfahren dass jener unbekannte herr sich mit wissen und dessen weitergabe beschäftigt hat, zum beispiel mit der tatsache dass viele lebensformen gleich nach ihrer entstehung einen recht umfangreichen wissensschatz besitzen. so begannen seine forschungen, für die er sein gesamtes vermögen und seine gesamte zeit geopfert hat, um der evolution auf die sprünge zu helfen: im alleingang will er ein allwissendes wesen erschaffen, die bauanleitung dafür sucht er in vorhandenem leben.

nachdem unser unbekannter redner vom rest der welt für verrückt erklärt wurde scheint ihm das experiment zu gelingen - doch gefällt ihm das ergebnis?

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isaac asimov: falsch korrigiert
der fall klingt zunächst simpel: der universitätsprofessor ninheimer verklagt die IEC, weil eine ihrer maschinen das lebenswerk des professors (sein aktuelles buch) falsch korrigiert haben soll. nun, genaugenommen habe die maschine gewisse textpassagen so weit entstellt dass in ninheimers werk nun ganze bevölkerungsgruppen beleidigt werden.

und damit zum komplizierteren teil: die von der IEC geschaffene maschine ist nicht nur ein einfacher computer der zum korrekturlesen dient, es ist vielmehr ein roboter mit dem fortschrittlichsten elektronischen gehirn. seine erbauer sprechen dem roboter sogar soetwas wie ein gewissen zu, er kann mehr als nur logische befehle abarbeiten. und über allem stehen die drei grundgesetze der robotik.

wie kann es nun sein dass einer derart "intelligenten" maschine mehrere grobe fehler unterlaufen? man könnte sie ja dazu befragen, doch da es der erste fall ist bei dem sich eine maschine vor dem gesetz verantworten muss untersagt der richter die anhörung des roboters. aber das wäre eigentlich garnicht nötig gewesen, denn der üblicherweise brav gehorchende denkapparat schweigt sich über diese sache beharrlich aus und wäre eher bereit sich selbst zu zerstören als irgendetwas konstruktives beizutragen.

ausserdem stellt sich noch eine weitere frage: warum überlässt die IEC einen so teueren, mächtigen und einzigartigen apparat einer universität?

"falsch korrigiert" ist eine spannende kurzgeschichte mit überraschendem ende. sie beschreibt nicht nur ein fiktives szenario, sie befasst sich auch mit der kurzsichtigkeit der menschen und deren wunschvorstellung einer "intelligenten" maschine.

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19.09.2008 | 07:39

wanted (the movie)

und der award für die schlechteste comic-verfilmung dieses jahrtausends geht an: wanted! wäre es keine comic-verfilmung könnte man den film noch bis zu einem gewissen punkt durchwinken, belächeln, mal ansehen, ein bisschen über die coolen sprüche lachen und damit hätte sich das. aber nein, man musste diesem "etwas" ja unbedingt den titel des comics geben und behaupten es handle sich um eine verfilmung dessen.


im comic geht es um einen looser. einen looser mit einem scheiss-job, einer blöden freundin und "kumpels" die mit dieser ziege auchnoch vögeln. es geht um ein ängstlich wimmerndes muttersöhnchen, das sich nie irgendwelchen konflikten gestellt, sondernd immer nur den schwanz eingezogen hat. das ist der hauptcharakter. in dessen leben tritt unangemeldet eine frau die sich fox nennt. diese offenbart ihm dann folgendes: du bist ein killer. dein vater war mitglied in einer gemeinschaft von super-bösewichten und er war der beste killer den es je gab. dein vater wurde bei einem hinterhalt ermordet, und jetzt liegt es an dir sein erbe anzutreten.

klar hält man das dann erstmal für verrückt, aber wenn dir dann erstmal die geballte macht der superschurken-vereinigung demonstriert wird, die weit über polizei, militär und regierung agiert, dann glaubst auch du irgendwann daran. unser looser begibt sich also in die hände der gesellschaft und trainiert - mit zufälliger, sinnloser und vor allem extremer gewalt. wahllos ermordet er menschen, er verprügelt, vergewaltigt und stellt schnell fest: in ihm steckt wirklich mehr als er dachte. und er kann prima töten. er kann prinzipiell mit allem töten, aber schusswaffen werden natürlich bevorzugt. das ist seine gabe, seine superkraft.

und diese widmet er der vereinigung, die gerade dabei ist sich die welt so zurechtzubiegen wie sie ihr am besten passt. dass dafür sehr viele superhelden ihr leben lassen mussten ist ebenso selbstverständlich wie das trophäenartig aufbewahrte cape von superman. ja, der ist auch krepiert. und so ziemlich jeder andere der irgendwann mal von bedeutung war. auf der erde sind superhelden deswegen längst geschichte, aber in paralleluniversen wird fleissig weiter gekämpft. diese schurken meinens ernst.

die handlung des comics führt über einen streit unter den bösewichten, über eine erläuterung der hintergründe und zusammenhänge zu einem einzigartigen ende, an dem sich wesley, also der ehemalige looser, entscheidet weiterhin als super-gangster zu leben. warum? das erklärt er in einem abschließenden monolog, in dem er uns, jeden einzelnen menschen, die leviten ließt und uns auf unser jämmerliches dasein aufmerksam macht. er endet mit den worten:

das ist mein gesicht während ich dich in den arsch ficke.

da stellt sich doch die frage ob man das überhaupt irgendwie verfilmen kann...

 

im film geht es zunächst auch um jenen looser. der anfang gleicht sich, bis zum erscheinen von fox. ich hatte schon hoffnungen. doch wesley wird dann in eine geheimorganisation aufgenommen. das training läuft natürlich deutlich harmloser ab und wesleys superkraft beschränkt sich darauf blitzschnell reagieren zu können, mit der pistole hervorragend zu treffen - und er kann um die kurve schießen. das können aber irgendwie auch alle anderen in dem verein.

diese organisation funktioniert übrigens so: die haben da einen webstuhl (!), der mit fäden, von deren herkunft scheinbar niemand etwas weiß (!) ein tuch webt. ab und zu passieren dabei aber fehler, also manche maschen werden übersprungen, wodurch im entstehenden tuch quasi ein binärcode (!) ablesbar ist, aus dem sich der name einer person zusammensetzt, die getötet werden muss, weil das der wille des schicksals (!) ist. nein, das ist kein witz, seht euch den film an!

also tötet wesley die so auserwählten opfer, stets in der hoffnung dass das die bösen sind. auch seine kollegen sind im glauben für recht und ordnung zu kämpfen. bis sich dann herausstellt dass das oberhaupt dieser gang den webstuhl zu seinen zwecken missbraucht. am ende tötet wesley die gesamte organisation und beschließt als einziger überlebender sein leben nun endlich selbst in die hand zu nehmen.

 

man sieht - recht viel mehr hätte man schon nicht verkacken können. bei einer derartigen vorlage weiß man genau was man da umzusetzen hat, da nimmt man das entweder ernst - oder man dreht einfach irgendeinen anderen film. aber der hauptcharakter darf natürlich nicht bewusst böse sein, er darf sich auch keinesfalls bewusst über den in der tat fragwürdigen tagesablauf von uns lohnsklaven äussern, natürlich brauchen wir da ein paar raffinierte wendungen der story wie wir sie seit "ich bin dein vater, luke" bereits bis zum erbrechen gesehen haben und am schluss muss, muss einfach noch eine kleine lebensweisheit für den zuschauer rausspringen. und dazu gibts popcorn und cola. genial.

21.05.2008 | 21:40

die neuen herrscher der welt #2

nach einem ersten blick in jean zieglers werk "die neuen herrscher der welt" möchte ich nun nach vollständiger lektüre noch ein paar textstellen erwähnen. zum beispiel dieses zitat:

die kultiviertesten völker sind der barbarei so nahe wie das blank geschliffene eisen dem rost

graf antoine de rivarol

unzählige beispiele schildern den werdegang des dschungelkapitalismus, unzählige personen, organisationen und firmen werden von ziegler der schonungslosen und systematischen ausbeutung bezichtigt. besonderes augenmerk legt er dabei auf die "machtvollste kriegsmaschine in den händen der beutejäger", auf die welthandelsorganisation, kurz WTO.

Wir leben in einer Welt in der es viel schlimmer ist eine regel des internationalen handels zu verletzen als ein menschenrecht.

warren allmand

untersuchungen bestätigen dass die WTO sich fast vollständig in der hand privater gesellschaften befindet. so sehr sich die WTO auch darum bemühte diese untersuchungsergebnisse unter den teppich zu kehren, niemand vermag die tatsachen zu leugnen. die mitgliedsstaaten der nördlichen hemisphäre, oder besser gesagt: ihre transnationalen gesellschaften kontrollieren 82% des gesamten welthandels. diese zahl sollte reichen um das machtverhältnis und die daraus resultierenden interessen zu verdeutlichen: niemals, unter keinen umständen, wird die welt der wohlhabenden auch nur einen millimeter platz für die dritte welt, die 122 ärmsten länder der welt machen. das wurde sinngemäß so auch immer wieder von der WTO-führungsriege geäussert, nur in hübscherer form, wohlwollenderer wortwahl und stets so dass sich keine weltöffentlichkeit daran stört.

man hat uns gesagt: wir werden euch häuser bauen. aber habe ich jemals ein haus verlangt?

jaques nung

dieser james nung wollte eigentlich nur dass er und sein volk in den heimischen wäldern weiterleben dürfen, durch die schon bald pipelines führen sollen. kulissenwechsel. ziegler ist kein theoretiker, er weiß, wovon er schreibt. im frühjahr 2002 besucht er eine brasilianische polizeistation. er beschreibt den innenhof mit seinen zwölf zellen, die einst errichtet worden sind um insgesamt dreissig häftlinge aufnehmen zu können. zum zeitpunkt seines besuchs befinden sich dort 173 menschen in gefangenschaft - man kann sich die bedingungen wohl vorstellen. ziegler entdeckt in den akten dass zwei der inhaftierten ihre strafe längst abgesessen haben - jedoch einfach vergessen wurden. eine ausnahme? nein - normalzustand. genau wie die einschusslöcher im innenhof, knapp einen meter über dem boden. zum spaß wird auf die gefangenen geschossen, die sich zwangsweise zu boden werfen müssen. alltag am anderen ende der welt.

im gespräch um die weltbank, die misere der verarmten, verschuldeten länder bringt zieglers gegenüber diese frage zur debatte:

wird es eines tages einen nürnberger gerichtshof für diese leute geben?

die frage ist berechtigt. wo sich völkermordende kriegstreiber für ihre verbrechen an einzelnen staaten verantworten mussten wird in ferner zukunft, sofern man optimistisch ist, auch über jene gerichtet werden, die mit ihren entscheidungen ganze kontinente ins elend treiben. noam chomsky benennt die drei formen, welche die totalitäre macht im 20. und 21. jahrhundert nacheinander angenommen hat: bolschewismus, nationalsozialismus, TINA. letztere entspricht dem aktuellen geschehen, ganz gleich welche maßnahmen getroffen werden. welthandelsabkommen, steuer- und kapitalflüsse, krieg gegen den terror - das alles, mangels alternativen. "es geht nicht anders", will man uns glauben machen. und diese lehre wurde so oft gepredigt dass sie letztlich funktioniert. es gibt keine alternative - machen wir weiter wie bisher.

im letzten kapitel des buches widmet sich ziegler den widersachern des systems. er nennt die wichtigsten gruppierungen, die sich gegen globalisation und für die rechte der unterjochten stark machen. ziegler gelingt hier was ich selbst nicht verstehen kann: er bleibt optimistisch und legt es in die hände von "attac" und "amnesty international" den einfluss der mächtigen zu schmälern. und er glaubt daran dass es gelingen wird, selbst wenn er von den schrecklichen greultaten des g8-gipfels 2001 in genua berichtet, wo wahllos zivilisten, reporter und journalisten gequält, gefoltert und mißhandelt wurden.

hier kann ich ziegler nicht mehr folgen, ich will und kann nicht glauben dass das tatsächlich die letzte hoffnung sein soll. die entscheidungen des kapitalismus bleiben von aktionen, gleich welcher art, weitgehend unberührt. stell dich beim nächsten g8-gipfel ruhig an den zaun, dude, aber erwarte nicht dass deswegen weniger menschen im elend sterben.


wir sind am arsch, und das ist noch milde ausgedrückt. der "trickle-down-effect" der davon ausgeht dass sich der reichtum, sobald sich die mächtigen erstmal sattgefressen haben, auch auf die ärmeren regionen ausbreitet, hat versagt, ganz einfach weil der mensch ein nimmersatt ist - und für all zu viele manager sind ein paar millionen auf dem privatkonto noch längst nicht genug. reichtum erfüllt längst nicht mehr den zweck sich besitz zu verschaffen, reichtum selbst ist besitz, ist macht.

 

ich glaube nicht an demonstrationen. auch nicht an regulierungs- und aufsichtsbehörden. nicht an gesunden menschenverstand und auch nicht an eine selbstregulierung der märkte. ich glaube nicht an preisschwankungen, absatzkontrolle, zielgruppen und vermarktung. ich weiß überhaupt nciht mehr was ich glauben soll. ich kann nur hoffen dass "die natur (tm)" einen weg finden wird um dieses menschliche ungeziefer von diesem planeten zu fegen. es muss einfach bessere, intelligentere lebensformen geben, die diesen lebensraum dann auch verdient hätten.