plastickblog - Sick of it

Sick of it

Es gibt kaum ein Thema dass derzeit häufiger und kontroverser "diskutiert" wird als die Flüchtlingsproblematik. Und es gibt kaum ein Thema dass mich mehr ankotzt.

Ich kann die von Halbwissen und Medienprägung geäußerten "Meinungen" nicht mehr ertragen. Ich kann dem Gefasel, wie die Vielzahl der Einwanderer unser sauer verdientes Geld verprassen, nicht länger zuhören. Ich möchte nichts mehr darüber hören, wie die von Flüchtlingen ausgeübte Kriminalität uns alle bedroht und auch nichts darüber, wie die ach-so-tollen Werte unserer Vorzeigegesellschaft verfallen. Ich hab die Schnauze gestrichen voll von hohlen Vorurteilen wie z. B., ich zitiere: "Die scheissen uns doch nur die Vorgärten voll! Die machen das einfach so, die kennen das nicht anders!"

Wenn der übliche Personenkreis unfehlbar und ebenso unbelehrbar mit diesem Thema beginnt kann ich beinahe fühlen wie die Kotze langsam steigt und der Würgreiz zunimmt.

 

Ja, mir ist durchaus bewusst dass es da ein Problem gibt. Allerdings haben das nicht die Menschen, die derzeit zu uns kommen, zu verschulden. Dem allgegenwärtigen Rassismus und Fremdenhass, der vermutlich gerade hier in Bayern sowas wie Tradition hat, habe ich nichts wirksames entgegenzusetzen - Worte sind an dieser Stelle nur verschwendet.

An der Stelle fällt mir mal wieder das Wunderbare Zitat von Gustav Heinemann ein:

Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den schwächsten ihrer Glieder verfährt.

Dazu passend eine Erkenntnis aus einem Vortrag über reale, gefühlte und ideale soziale Gerechtigkeit: Die perfekte, gerechte Gesellschaft ist diejenige, in die man jederzeit wechseln würde ohne zu wissen welche Position man darin einnimmt.

Und weitergedacht: Ich geh mal davon aus dass ich noch ein paar jährchen auf diesem Planeten verbringe. Sollte mir in dieser Zeit irgend etwas zustoßen, dass mich dazu veranlasst zum Flüchtling zu werden, dann hoffe ich darauf dass sich nicht alle anderen Nationen so verhalten wie wir es gerade tun.

 

Refugees welcome!

 

Vielleicht noch ein paar Zahlen, um den womöglich leicht verrutschten Fokus zu justieren. Natürlich sind das alles nur mutmaßliche Schätzungen, aber ich denke die Tendenz wird deutlich:

Es wird vermutet dass uns die Flüchtlinge etwa zehn milliarden Euro jährlich kosten. Das ist schon viel Geld, aber um das mal in Relation zu setzen... unser jährlicher Verteidigungsetat beträgt das dreifache. Da sind die sechs Milliarden, die wir jährlich für unsere Waffenexporte einsacken, noch nicht enthalten. Die Hälfte der zehn Milliarden hätten wir schon allein dadurch beisammen wenn wir diesen BER-Flughafen rechtzeitig eingestampft hätten. Und es gibt ein paar Wirtschaftsexperten, die berichten dass wir uns so ganz nebenbei etwa 20 Milliarden jährlich sparen könnten, wenn wir aufhören würden unsere Steuergelder für absoluten Bullshit zu verprassen - wie etwa die Subventionierung der Herstellung von Bräunungsmitteln.

 

Solange wir noch in Kategorien wie "wir" und "die anderen" denken sollten wir aufhören uns als intelligente Spezies zu bezeichnen.