plastickblog - Camp Century

Camp Century

Ich bin gerade über diese Story zu Camp Century gestolpert.

Eine US-Lager im Eis Grönlands. Errichtet zu Zeiten des kalten Kriegs, in den fünfziger Jahren. Dass es sich um ein Militärprojekt handelt, hatte man der Dänischen Regierung nicht mitgeteilt - es hieß, die Amerikaner wollen eine Forschungsstation im Eis errichten. Nur wenige wussten überhaupt davon, die Bevölkerung natürlich nicht. Die Dänen hatten allerdings bedenken und schickten einen Spion dorthin, der das Treiben des US-Militärs beobachtete.

Erst 40 Jahre nach den Berichten dieses Spions wurde offengelegt, was Camp Century werden sollte: Eine gewaltige Abschussanlage für Atomraketen. Insgesamt 600 Interkontinentalraketen sollten dort in einem Tunnelsystem mit 4.000 Kilometer Länge abschussbereit stationiert werden, um Druck auf die Sowjetunion auszuüben.

Die Amerikaner hatten dabei nur eines vergessen: Eis bewegt sich. Und so wurde das Vorhaben beendet, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Es war schlicht unmöglich, die geplante Anlage unter den vorherrschenden Bedingungen zu errichten.

Dennoch waren über Jahre 200 Soldaten dort stationiert, die ein Fitness-Studio ebenso wie ein Kino und eine Kapelle, sowie weitere Annehmlichkeiten der geheimen Basis nutzen konnten. Ein mobiler Atomreaktor hat die Anlage bis zum Abbruch der "Project Iceworm" getauften Operation mit Strom versorgt.

 

Denkt man nun, das ganze wäre lediglich eine weitere Geschichte aus dem kalten Krieg, die nun keine Bedeutung mehr für uns hat, täuscht man sich leider. Denn mittlerweile schmilzt das Eis in Grönland und die Hinerlassenschaften der einstigen US-Basis drohen zum Vorschein zu kommen:

Noch immer ist unklar, was genau unter dem Eis verborgen liegt, aber dazu könnten an die zehntausend Tonnen gewöhnlicher Müll und Schrott, 200.000 Liter Dieselöl und krebserregende Chlorverbindungen, gefrorenes Abwasser und gefrorenes, schwach radioaktives Kühlwasser aus dem Reaktor zählen.

Der einstige Spion brach im dänischen Rundfunk sein Schweigen, was eine Anhörung in Kopenhagen und erste Expeditionen in das betroffene Gebiet zur Folge hatte.

 

Und während Dänemark nun überlegt, wie man mit den Altlasten von damals umgehen kann, sind in Deutschland nach wie vor US-Atomraketen stationiert. Nicht im geheimen, sondern ganz offiziell im Rahmen der "nuklearen Abschreckungsstrategie" der NATO. Allen Bemühungen zum trotz, die Abrüstung diese Atomwaffen zu erwirken, ist letztlich nur eines geschehen: Die in die Jahre gekommenen Atombomben sollen 2021 durch modernere und präzisere Versionen ersetzt werden.