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Das macht also die Bundeslandwirtschaftsministerin - und die Bundesregierung windet sich

Die EU Urheberrechtsreform wird nun also endgültig unterzeichnet. Das ist der letzte formale Akt, dann gilt das neue Gesetz. Und wer unterschreibt das Ganze? Unsere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Natürlich! Bei gravierenden Umwälzungen im Online-Sektor denke ich spontan auch an das Landwirtschaftsministerium, an wen denn sonst? Wer wäre ansonsten schon inkompetent genug, da seinen Namen drunter zu setzen? Gut, Axel Voss natürlich, aber der sonst stets im Mittelpunkt stehende Lobbyist der Verlage steht wohl gerade nicht zur Verfügung.

 

Update, 16.04.2019:

...und die Bundesregierung windet sich. Man wolle doch gar keine Upload-Filter, man gehe davon aus dass sich sowas vermeiden lässt, aber gleichzeitig ist man nun eben dazu verpflichtet, dem EU-Gesetz nachzukommen, blah, fasel. Ein Trauerspiel vom feinsten, dass alle Beteiligten darbieten.

Wer, verdammt nochmal, hat diese beschissene Reform denn bis zuletzt auf Händen ins Ziel getragen? Wer hat denn bis zuletzt stets an allen Forderungen festgehalten und jetliche Kritik und sämtliche Gegenstimmen ungehört verhallen lassen?

Es wäre sogar noch sehr spät möglich gewesen, die kritischen Teile dieser EU-Urheberrechtsreform außen vor zu lassen und nur den von allen getragenen Konsens durchzuwinken, aber selbst DAS war zuviel verlangt. Da waren sich alle ziemlich schnell einig. Unsere Regierung hätte das Ganze sogar noch bis zuletzt verhindern können. Wollte man halt nicht.

Und jetzt stellt sich Deutschland - einmal mehr - als das "Opfer" dar, dass das ja alles gar nicht so gewollt hat.

Es gibt einen aus meiner Sicht geradezu offensichtlichen Grund dafür: Bald ist Europawahl. Man hofft, dass dieses Urheberrechts-Debakel bis dahin wieder vergessen ist, damit weiterhin die ewig gestrigen regieren dürfen. Daher kann ich es nur als inhaltloses Wahlkampf-Gedöns werten, wenn Katarina Barley am Tag der Unterzeichnung dieser Urheberrechtsreform sowas sagt wie: Die Internet-Konzerne sollen Daten allen zur Verfügung stellen. Aber sicher doch. Katarina Barley hatte eine unschöne Rolle im Geplänkel um die Urheberrechtsreform, die muss Boden, äh, Wähler zurückgewinnen - mehr nicht.

Wegen der Fingerabdrücke

Warum man in Hotels nach wie vor per Hand einen Zettel ausfüllen muss, hat abstruse Gründe: Wegen der Fingerabdrücke. Und der DNA.

Windows 7 Supportende - Berlin im Chaos?

Keine Sorge, liebe FDP - Microsoft hat da was anzubieten...

Springer vs. AdBlock, again

Diese EU-Urheberrechtsreform trägt ja schnell Früchte! Nein, nicht diese. Die für Springer. Die müssen dadurch ja profitieren, ist ja nicht zuletzt für den Verlag gemacht worden. Und so...

Okay, ich mag AdBlock Plus auch nicht und empfehle stattdesssen uBlock Origin, aber hey, darum geht es da gerade nicht. Es geht um den bahnbrechenden technischen Sachverstand von Springer, der sich so zeigt:

Werbeblocker verändern die Programmiercodes von Webseiten und greifen damit direkt in das rechtlich geschützte Angebot von Verlagen ein.

...kein Scheiß, darauf werden die ihre Anklage stützen! Gefolgt von:

Dadurch beschädigen sie langfristig nicht nur eine zentrale Finanzierungsgrundlage von digitalem Journalismus, sondern gefährden auf Dauer auch den offenen Zugang zu meinungsbildenden Informationen im Internet.

Und da weiß ich spontan nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Denn:

1) Niemand ausser der Springer-Verlag selbst stellt deren "Programmiercode" bzw. deren Inhalte bereit. Niemand verändert da irgend etwas an deren Quellen, die bleiben gänzlich unangetastet. Etwas anderes zu behaupten ist ganz einfach Schwachsinn.

2) Der Springer-Verlag liefert dieses Angebot an die Endverbraucher aus. Wie diese das Angebot empfangen, ist allerdings ausschließlich deren Angelegenheit. Das ist wie der "keine Werbung" Aufkleber am Briefkasten - der Verbraucher bestimmt selbst, ob und wie er die angebotenen Inhalte entgegennehmen möchte. Das haben Gerichte bereits so bestätigt.

3) Benutzt der Endverbraucher einen Werbeblocker, werden die Inhalte, die ihm ausgeliefert werden, direkt in seinen Händen auf unliebsame Dinge überprüft, die ihm dann ggf. nicht angezeigt werden. Die Werbung ist noch auf der Springer-Webseite, aber nicht mehr im Browser-Fenster des Endverbrauchers. Vergleiche mit dem "keine Werbung"-Aufkleber: Die Werbe-Broschüre ist noch im Auto des Postboten, aber nicht mehr im Briefkasten.

4) Wenn Springer durch den Einsatz von Werbeblockern ihr zentrales Finanzierungsmodell in Gefahr sieht, stellt sich die Frage, ob es so clever war, Werbung als zentrales Finanzierungsmodell zu etablieren. Wäre es nicht sinnvoller, das eigene Angebot so zu gestalten, dass man es schafft, durch die eigentlichen Inhalte Geld zu generieren? Weil die so hochwertig und gleichzeitig beliebt sind, dass man da durchaus ein Preisschild dranhängen kann? Ich weiß, das muss gerade für Springer ein utopischer Gedanke sein...

5) Wenn nun Springer als Folge ihrer eigenen Borniertheit jeden Besucher, der einen Werbeblocker benutzt, von ihren Inhalten aussperrt - inwiefern sind es dann die Werbeblocker, die den "offenen Zugang zu meinungsbildenden Informationen" gefährden? Gefährdet den Zugang nicht Springer selbst, durch die Handhabe keine Werbeblocker zu tolerieren?

 

Wenn vorsintflutliche Geschäftsmodelle mit der Gegenwart kollidieren...

 

Insofern, auch wenn ich AdBlock nicht mag: Ich wünsche euch viel Spaß bei dieser Angelegenheit, ihr werdet ihn haben :-)

EU Copyright Reform: First Blood

Die EU-Copyright-Reform hat bereits Opfer gefordert, nun gibt es ein weiteres: Ein einschlägiges Forum ist auf Druck der GEMA gesperrt worden. 1&1 sowie Vodavone haben entsprechende DNS-Sperren eingerichtet.

Bei "DNS-Sperre" lacht der Fachmann, aber für Otto-Normal ist diese Art der Zensur nunmal ausreichend.

Oh, und falls jemand dumm genug ist, sowas zu äußern wie: "Ja, dieses Forum ist aber nunmal auch ein Hort für Unheberrechtsverstöße!" - wie viel illegales Material wird dort denn gehostet? Korrekt - gar keines. 'nuff said.

 

Inzwischen feiern die deutschen Zeitschriftenverleger die Reform und haben noch nichtmal nach der Einführung verstanden, dass sie verarscht wurden.

Hier bietet sich eigentlich ja ein trauriges slow-clap-meme an, aber aus gegebenem Anlass... vielleicht lieber doch nicht.